09.07.2026 - Earth-i/EU-Quoten erhöhen Druck auf ukrainische Stahlindustrie
Die Stahlproduktion in der Ukraine hat sich nach ihrem Höchststand im Januar deutlich abgeschwächt. Nach Angaben der Metall-Monitoring-Plattform Savant von Earth-i lag die Rohstahlproduktion im Zeitraum vom Jahresbeginn bis zum 30. Juni 2026 um 18 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Earth-i ist ein britischer Anbieter von Geodatenanalysen, der mithilfe von Satellitenbildern und KI die Produktionsaktivitäten von Minen, Schmelzen und Stahlwerken weltweit überwacht. Über seine Plattform Savant veröffentlicht das Unternehmen regelmäßig Schätzungen zur Metallproduktion und Anlagenauslastung.Die ukrainische Stahlindustrie sieht sich demnach weiterhin mit erheblichen Belastungen durch den Krieg konfrontiert. Dazu zählen anhaltende Probleme in der Logistik, Stromengpässe sowie die wirtschaftlichen Auswirkungen des Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM) der Europäischen Union. Zusätzlichen Druck erzeugt nach Einschätzung von Earth-i die neue EU-Handelsregelung in Form des Zollkontingentsystems (Tariff Rate Quota, TRQ). Dieses begrenze die zollfreien Einfuhren der erfassten Stahlprodukte auf 18,3 Millionen Tonnen pro Jahr, ein Rückgang um 47 Prozent verglichen mit dem Referenzwert von 2024.Das neue System ersetzt den Angaben zufolge teilweise die bisherigen Sonderregelungen für ukrainische Stahlexporte. Statt einer generellen Ausnahme soll die Situation der Ukraine künftig von der Europäischen Kommission bei der Zuteilung der länderspezifischen Kontingente berücksichtigt werden. Die der Ukraine zugewiesenen länderspezifischen Quoten belaufen sich nach Angaben von Earth-i auf lediglich 1,05 Millionen Tonnen pro Jahr. Das entspreche weniger als der Hälfte der ukrainischen Stahlexporte in die EU im Jahr 2024.Das Ausbleiben einer bevorzugten Behandlung hat laut Earth-i scharfe Kritik aus der ukrainischen Stahlindustrie ausgelöst. Sowohl Arcelormittal Kryvyi Rih als auch der Vorstandsvorsitzende der Metinvest-Gruppe warnten demnach, das zum 1. Juli eingeführte EU-Quotensystem könne "die ukrainische Stahlindustrie zerstören".Für den Monat Juni weist die Savant-Plattform einen Rückgang der ukrainischen Rohstahlproduktion um 22 Prozent verglichen mit dem Vorjahresmonat aus. Trotz der anhaltenden Stromausfälle produzierten die beiden größten Stahlwerke des Landes, Arcelormittal Kryvyi Rih mit einer installierten Jahreskapazität von acht Millionen Tonnen sowie Zaporizhstal Iron and Steel Works mit 4,1 Millionen Tonnen, weiter. Die Auslastung lag den Daten zufolge jedoch lediglich bei rund 56 beziehungsweise 61 Prozent. Nach Einschätzung von Earth-i erhöht das neue EU-Zollkontingentsystem den Druck auf die ukrainischen Stahlhersteller zusätzlich, da die Importmengen in einer Phase begrenzt werden, in der die Unternehmen ohnehin mit den erheblichen Auswirkungen des Krieges auf ihre Produktion kämpfen.MBI/gil/9.7.2026
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