04.05.2021 - Außenhandel mit Großbritannien/EZB hält Daten für schwer interpretierbar

Die Ausfuhren der EU-Länder nach Großbritannien sind in jüngster Zeit deutlich gesunken. Ökonomen der Europäischen Zentralbank (EZB) tun sich aber schwer damit, daraus bereits Schlüsse für die künftige Entwicklung des Außenhandels mit der aus der EU ausgetretenen Insel zu ziehen. Sie verweisen auf Verzerrungen durch einen vermehrten Lageraufbau im Vorfeld des Brexit und durch die coronabedingte Störung von Lieferketten.

"Erste Daten zu den Exporten des Euroraums im ersten Quartal 2021 deuten auf eine deutliche Entkopplung der Handelsströme zwischen Großbritannien und dem Euroraum zu Beginn des Jahres hin", heißt es in dem Bericht. Die Exporte von Waren aus dem Euroraum auf die Insel seien im Januar um fast ein Drittel gefallen, während sich die Importe mehr als halbierten. "Im Gegensatz dazu stiegen die Warenexporte innerhalb des Euroraums stark, höchstwahrscheinlich als direkte Folge von umgeleiteten Handelsströmen, insbesondere nach Irland", so die Experten weiter.

Die EZB-Experten weisen darauf hin, dass es schon seit dem Brexit-Referendum Anzeichen für eine schwächere britische Nachfrage nach Gütern aus der EU gibt. "Das ist wahrscheinlich teilweise eine Folge der starken Abwertung des Pfund", schreiben sie in ihrer Analyse. Sektorale Importdaten deuteten darauf hin, dass sich der Brexit in einigen Wirtschaftszweigen bereits stark auswirke, unter anderem vor allem im Bereich Automotive.

Einen weiteren Rückgang der europäischen Ausfuhren halten die EZB-Ökonomen für möglich. "Letzten Endes werden die Auswirkungen des Brexit für die Nachfrage nach Gütern aus dem Euroraum und das Wachstum allgemein davon abhängen, inwieweit sich Großbritannien längerfristig von Lieferanten aus dem Euroraum abwenden kann und inwieweit alternative und vielleicht interne Netzwerke im Euroraum aufgebaut werden können, um die Dienstleistungen zu erbringen, die in der Vergangenheit hauptsächlich aus Großbritannien bezogen wurden", schreiben sie. Die langfristigen Konsequenzen des Brexit für den Außenhandel mit Großbritannien und die Außennachfrage nach Euroraum-Gütern insgesamt seien unsicher.

MBI/DJN/gil/4.5.2021

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