22.02.2021 - Dunkerque in Frankreich/Liberty Steel, SHS und Paul Wurth prüfen Bau von wasserstoffbasierter Direkt-Reduktions-Anlage

Liberty Steel, SHS - Stahl-Holding-Saar und Paul Wurth prüfen den Bau und Betrieb eines wasserstoffbasierten Stahlwerks in industriellem Maßstab im französischen Dunkerque. Eine entsprechende Absichtserklärung (Memorandum of Understanding - MoU) wurde unterzeichnet, wie SHS am Montag mitteilte. Im Falle einer Realisation wäre dies eine der ersten Anlagen dieser Art in Frankreich. Die paneuropäischen Partner wollen gemeinsam an einem Projekt arbeiten, bei dem eine 2-Millionen-Tonnen-Anlage für direktreduziertes Eisen (DRI) mit eingebauter Wasserstoff-Elektrolyse mit einer Kapazität von 1 GW neben dem GFG-Standort Alvance Aluminium Dünkirchen integriert werden soll. Die Liberty Steel Group gehört zur GFG Alliance von Sanjeev Gupta. Die DRI-Anlage werde zu Beginn DRI und heiß brikettiertes Eisen (HBI) mit einer Mischung aus Wasserstoff und Erdgas als Reduktionsmittel nutzen, um dann nach Fertigstellung der Elektrolyse-Produktionseinheit zu 100 Prozent auf Wasserstoff umzustellen.

"Dieses Projekt wird das Potenzial von Stahl und Wasserstoff im Zusammenspiel realisieren, um die Probleme des jeweils anderen zu lösen", sagte Sanjeev Gupta, Vorstandsvorsitzender von GFG Alliance und Liberty Steel Group: "Unsere Industrie muss die Stahlproduktion schnell neu erfinden, da die Notwendigkeit, unsere Emissionen zu reduzieren, vor dem Hintergrund der steigenden globalen Nachfrage nach unseren Produkten und dem Druck der Gesetzgebung, kohlenstoffneutral zu werden, immer dringlicher wird." Das produzierte DRI/HBI soll laut SHS hauptsächlich im Elektrolichtbogenofen von Liberty Ascoval in Frankreich Verwendung finden. Überschüsse werden in den integrierten Stahlwerken von Liberty in Ostrava und Galati sowie in den Werken von Dillinger und Saarstahl, die beide zur SHS-Gruppe gehören, in Deutschland verwendet, so der saarländische Produzent. Liberty arbeitet seit Anfang vergangenen Jahres mit Paul Wurth und SHS an der technischen und wirtschaftlichen Machbarkeit dieses Projekts. Die ersten Machbarkeitsstudien haben sich demnach als erfolgreich erwiesen.

Mit Unterzeichnung der Absichtserklärung wollen die Partner nun in zwei Phasen vorgehen: In Phase 1 soll die Genauigkeit der kommerziellen und technischen Machbarkeit des Projekts verbessert werden. Dies gelte auch im Hinblick auf das reduzierende Gasgemisch, potenzielle Partner (Energieversorgung, Wasserstoffproduktion und -betrieb, DRI/HBI-Ausrüstung) und Finanzierungsmöglichkeiten. Diese Phase werde voraussichtlich etwa zwölf Wochen dauern. Phase 2 soll die erforderliche Detailtiefe (technisch und finanziell) liefern, um das Projekt effektiv umzusetzen. Diese Phase werde im Rahmen von Phase 1 festgelegt. Die Partner wollen zudem in Betracht ziehen, andere Wasserstoffproduzenten an Bord zu nehmen, wie SHS mitteilte.

„Trotz der hohen Hürde von immensen Investitions- und Betriebskosten, sind Dillinger und Saarstahl fest entschlossen, den Weg zur Klimaneutralität konsequent zu gehen", betonte Martin Baues, Geschäftsführer Technik der SHS - Stahl-Holding-Saar und Vorstand von Dillinger und Saarstahl. "Diese Partnerschaft stellt dabei einen wichtigen Baustein auf dem Weg zur kohlenstoffneutralen Stahlproduktion dar und wird uns helfen, unsere Kohlenstoffemissionen auf Basis dieser Technologie weiter zu reduzieren und gleichzeitig wichtige Erfahrungen beim Einsatz von Wasserstoff in der Stahlproduktion zu sammeln“, erklärte er.

Erst in der vergangenen Woche haben SHS und Paul Wurth wie berichtet ein Memorandum of Understanding mit dem internationalen Rohstoffkonzern Rio Tinto unterzeichnet. Dabei geht es um die Erforschung eines kohlenstoffarmen Stahlrohstoffs unter Verwendung von grünem Wasserstoff, der aus Wasserkraft in Kanada erzeugt wird. Die Partner werden demnach die Machbarkeit der Umwandlung von Eisenerzpellets in kohlenstoffarmes, heiß brikettiertes Eisen (HBI) untersuchen. Geplant ist eine Machbarkeitsstudie über die mögliche Entwicklung einer kohlenstoffarmen Eisenproduktion im industriellen Maßstab. Der Abschluss der Studie ist für Ende 2021 vorgesehen, eine Investitionsentscheidung für eine wasserstoffbasierte Direktreduktionsanlage im industriellen Maßstab soll danach folgen, hieß es.

MBI/gil/22.2.2021

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