16.09.2020 - US-Regierung hebt Zölle auf kandisches Aluminium wieder auf

Die Trump-Regierung will die Zölle auf kanadisches Primäraluminium, die erst vergangenen Monat eingeführt wurden, bereits wieder aufheben. Dies ist die Umkehrung einer Handelspolitik, welche die heftige Kritik vieler US-Unternehmen nach sich gezogen und die Beziehungen zwischen den USA und Kanada belastet hat. Das Büro des US-Handelsbeauftragten (USTR) teilte als Begründung mit, man habe Gespräche mit der kanadischen Regierung geführt und rechne nun damit, dass die Importe der Primäraluminiumsorte P1020, welche den Zehn-Prozent-Zöllen unterliegt, in den kommenden Monaten zurückgehen werden, nachdem sie noch Anfang des Jahres stark zugelegt hatten.



Wenige Stunden zuvor hatte der kanadische Premierminister Justin Trudeau die Veröffentlichung der endgültigen Liste von denjenigen US-Waren angekündigt, auf die Kanada Gegenzölle erheben will. Die Vergeltungszölle sollten am Mittwoch bzw. 30 Tage nach Einführung den US-Zölle in Kraft treten. Kanada hatte dabei Waren im Blick, die Aluminium enthalten, wie z.B. Waschmaschinen und Golfschläger.



"Dies war ein Tag, an dem sich der gesunde Menschenverstand durchsetzte", sagte Chrystia Freeland , Kanadas stellvertretende Premierministerin, auf einer Pressekonferenz. "In Bezug auf das, was in Zukunft geschieht, waren wir gegenüber dem USTR klar: Sollten in Zukunft Zölle auf Aluminium erhoben werden, werden wir dies mit Vergeltungsmaßnahmen im Verhältnis Dollar zu Dollar erwidern."



US-Zölle auf kanadisches Aluminium und Stahl waren erstmals 2018 verhängt worden - mit der Begründung, dass die Einfuhr dieser Metalle die nationale Sicherheit der USA bedroht. Die Zölle wurden zwar während der Verhandlungen über das neue Handelsabkommen zwischen den USA, Mexiko und Kanada im Jahr 2019 wieder fallen gelassen. Etwas mehr als einen Monat, nachdem die Umsetzung des neuen nordamerikanischen Handelsabkommens begonnen hatte, führte die Trump-Administration die Zölle aber wieder ein, allerdings dieses Mal nur für Aluminium. Donald Trump hatte dies bei einer Rede in einer Whirlpool-Fabrik in Clyde, Ohio, angekündigt und sagte dabei, dass "Kanada uns wie üblich ausnutzt".



Große US-Wirtschaftsvereinigungen, darunter der American Automotive Policy Council, der die drei großen Automobilhersteller vertritt, kritisierten die Entscheidung des Präsidenten, den Handelskampf mit einem engen wirtschaftlichen Verbündeten wieder aufzunehmen. Gegen die Zölle sprach sich auch die Aluminum Association aus, die den größten Teil der nordamerikanischen Aluminiumindustrie vertritt, darunter viele US-Aluminiumverbraucher. "Die Abschaffung dieser störenden und unnötigen Zölle auf kanadisches Aluminium war die richtige Entscheidung für die US-Aluminiumindustrie", so Tom Dobbins, Geschäftsführer der Aluminum Association. "Es ist von entscheidender Bedeutung, dass wir die nordamerikanischen Aluminiumversorgungsketten offen und unbelastet halten."



Im Mittelpunkt des Streits zwischen Trump und der kanadischen Regierung hatten unterschiedliche Betrachtungsweisen der Aluminiumimporte aus Kanada gestanden. Das in die USA importierte Aluminium wird in zwei Hauptarten eingeteilt: Rohaluminium ohne Legierungszusätze sowie Aluminiumlegierungen. Die jüngsten Zölle sollten nur für das unlegierte Aluminium gelten. Im vergangenen Jahr hatten sich zwar die gesamten US-Importe von kanadischem Aluminium mit etwa 200 Millionen US-Dollar pro Monat kaum verändert. Aber es gab eine bedeutende Verschiebung bei den Aluminiumsorten: So sind die Importe von unlegiertem Aluminium stark gestiegen, während die Importe von legiertem Aluminium gesunken sind. Mit diesem Anstieg des Importanteils an unlegiertem Primäraluminium rechtfertigten die US-Behörden die erneuten Strafzölle.



Abgesehen vom Primäraluminiumproduzenten Century Aluminum, der sich in den letzten Jahren zum Fürsprecher für neue Aluminiumzölle entwickelt hatte, fanden die Maßnahmen in der US-Industrie jedoch wenig Unterstützung. Die rasche Aufhebung der Aluminiumzölle dürfte die US-Wahlpolitik und die Furcht vor den Folgen von kanadischen Vergeltungsmaßnahmen widerspiegeln, kommentiert ein Handelsbeobachter die Umkehr. Die Trump-Regierung "war wahrscheinlich besorgt, etwas zu sehen, was die wirtschaftliche und politische Situation in dejenigen Bundesstaaten komplizieren könnte, die sie gewinnen muss, um wiedergewählt zu werden", sagte Eric Miller, Leiter der in Washington ansässigen Rideau Potomac Strategy Group und ehemaliger hoher kanadischer Beamter.

MBI/DJN/crb/16.9.2020

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