20.11.2020 - Neuer Chef bei Saarstahl/Karl-Ulrich Köhler soll die saarländische Stahlindustrie voranbringen

In der saarländischen Stahlindustrie gibt es einen Führungswechsel. Tim Hartmann hat seine Ämter als Vorsitzender der Geschäftsführung der SHS - Stahl-Holding-Saar sowie als Vorstandsvorsitzender der Saarstahl AG, der AG der Dillinger Hüttenwerke und der DHS - Dillinger Hütte Saarstahl AG niedergelegt, wie die Montan-Stiftung-Saar am Donnerstagabend mitteilte. Hartmann war 2018 vom ostdeutschen Energieversorger enviaM zu Saarstahl gekommen. Sein Nachfolger wird mit Wirkung zum 1. Januar 2021 Karl-Ulrich Köhler, ehemaliger CEO von Thyssenkrupp Steel und Tata Steel. Köhler war zuletzt Vorsitzender der Geschäftsführung beim hessischen Schaltschrankbauer Rittal. Die Funktionen von Hartmann werden in der Übergangsphase von den vier Geschäftsführern der SHS übernommen, hieß es weiter.

In einem kurzfristig einberufenen Pressegespräch am Freitagvormittag wurde deutlich, dass es zwischen Hartmann und der Stiftung tiefgreifende Meinungsunterschiede über die langfristige Strategie der Gruppe gegeben hat. Hartmann habe Vieles auf den Weg gebracht, aber die Umsetzung sei nicht schnell genug vorangekommen, sagte Reinhard Störmer, Vorsitzender des Kuratoriums der Montan-Stiftung-Saar. Er bemängelte im Detail, dass Hartmann zwar beim Thema "grüner Stahl/CO2-Reduzierung" viel gefordert, aber kein Konzept gehabt habe. Auch bei der Stärkung des Vertriebs, der Erschließung neuer Märkte und Kooperationen mit Partnern sei es nicht schnell genug vorangegangen.

Den neuen Mann an der Spitze lobte Störmer als "ausgewiesenen, herausragenden Stahlexperten", der bestens vernetzt sei. Köhler hat den Auftrag, "alles zu versuchen, um die saarländische Stahlindustrie voranzubringen". "Wir müssen die Schlagzahl erhöhen. Nach zwei schlechten Jahren können wir uns kein drittes schlechtes Jahr erlauben", erklärte der Kuratoriumsvorsitzende. 2020 werde "mit Sicherheit nicht besser" als das Vorjahr.

Bei den Sachkosten habe man das Einsparziel von 100 Millionen Euro zu 90 Prozent erreicht. Ob es einen weiteren Stellenabbau geben werde, "kann zu diesem Zeitpunkt keiner sagen". Der designierte Saarstahl-Chef Köhler sagte, er wolle jetzt erst einmal das Unternehmen kennenlernen. Der Kostendruck wird aber auch unter ihm nicht nachlassen, machte Köhler deutlich: "Wir brauchen die Kostenentlastung und wir brauchen sie schnell."

Mark Krieger

MBI/kri/20.11.2020

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