13.02.2020 - EEX-Chef Reitz: "Europäischer Strommarkt kann als Vorbild dienen"

Auch wenn es in Europa noch keinen einheitlichen Strommarkt gibt, sind in den vergangenen 20 Jahren viele Fortschritte bei der europäischen Marktintegration erzielt worden. So lautete das Fazit des EEX-Vorstandsvorsitzenden Peter Reitz zu den Entwicklungen der vergangenen 20 Jahre im Energiehandel auf einer EEX-Podiumsdiskussion auf der E-World in Essen. Vor dem Hintergrund der europäischen Dekarbonisierungspläne und der Umstellung von Kohle- und Atomstrom auf erneuerbare Energien stellten sich für die Märkte in Europa mit Blick auf die Versorgungssicherheit viele neue Fragen, sagte Reitz.



Vor 20 Jahren seien Themen wie die Marktmacht einzelner Player oder fehlende Preistransparenz diskutiert worden, diese Fragen stellten sich heute dagegen nicht mehr. "Wir haben mit dem europäischen Stromhandel sehr viel erreicht, heute ist die Integration der Erneuerbaren in den Markt ein Vorbild für andere, wie zum Beispiel Japan", sagte der EEX-Chef. Dennoch gebe es noch viele Aufgaben für die europäischen Strommärkte, um als Blaupause für andere fungieren zu können. Eine davon sei der Netzausbau, darüber waren sich alle Teilnehmer des EEX-Panels einig, nicht nur für Deutschland, sondern für ganz Europa.



Der europäische Gedanke, Ressourcen zu teilen, werde damit immer wichtiger, sagte Dirk Biermann, Geschäftsführer Märkte und Systembetrieb beim Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz. "Das funktioniert, solange es für alle reicht, wird aber zum Problem, wenn es im Zuge der zunehmenden Konzentration auf Erneuerbare zu Verteilungskämpfen kommt", führte Biermann aus. Das Bundeswirtschaftsministerium habe dieses Problem auf dem Schirm und setze mit dem Kohleausstieg auf ein stärkeres Monitoring der Versorgungssicherheit, sagte Kathrin Thomaschki, Leiterin des Referats Versorgungssicherheit und Stromgroßhandel im Bundeswirtschaftsministerium.



Umso wichtiger seien aber auch Anreize für Investitionen in Erneuerbare auf der einen Seite und Gaskraftwerke zur Absicherung auf der anderen Seite, betonten die Panelisten. "Die Erneuerbaren sind die neuen Konventionellen", fasste Reitz zusammen. Diese neue Bedeutung brauche neue Geschäftsmodelle, wie zum Beispiel PPA (Power Purchase Agreements), die bereits über die Börse abgesichert werden können. Der Markt entwickle hier die Risikoinstrumente, die er braucht und das Vertrauen in den Markt müsse stärker werden.



Wenn Anlagen aus der EEG-Förderung fallen, seien aber auch von Seiten der Politik zusätzliche neue Fördermechanismen nötig, sagte Biermann. Denn alte Anlagen seien heute aufgrund von Faktoren wie Abstandsregeln teilweise nicht mehr genehmigungsfähig, was den Bau neuer Anlagen noch wichtiger mache. Auch die Digitalisierung könne beim Thema Versorgungssicherheit ein wichtiger Helfer sein, sagte Biermann. Die zunehmende lokale Erzeugung sorge dafür, dass die Übertragungsnetzbetreiber nicht mehr den Überblick über das Gesamtbild von Angebot und Nachfrage am Strommarkt hätten. Hier könne die Vernetzung der Erzeugungsebenen helfen.



Marie-Thérèse Pfefferkorn



MBI/cdg/11.2.2020

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