20.05.2020 - Strategien zu Biodiversität und nachhaltiger Landwirtschaft: EU will globale Standards für wettbewerbsfähige Nachhaltigkeit setzen

BRÜSSEL - Die EU-Kommission will den zunehmenden Verlust der biologischen Vielfalt stoppen und für ein nachhaltiges Lebensmittelsystem sorgen. „Die Coronavirus-Krise hat uns vor Augen geführt, wie verwundbar wir sind und wie wichtig es ist, das Gleichgewicht zwischen menschlichem Handeln und der Natur wiederherzustellen“, sagte Exekutiv-Vizepräsident Frans Timmermans. Die vorgeschlagenen Strategien zur Biodiversität und „Vom Hof auf den Tisch“ enthalten zahlreiche bis 2030 zu erreichenden Ziele.

So soll in der Landwirtschaft der Einsatz von Pestiziden halbiert, die Verwendung von Düngemitteln um mindestens 20 Prozent verringert und der Verkauf von für Nutztiere und Aquakultur bestimmte Antibiotika um 50 Prozent reduziert werden.

Zudem soll bis 2030 ein Viertel der landwirtschaftlichen Fläche in der EU ökologisch bewirtschaftet werden. Damit die Verbraucher sich bewusst für gesunde Nahrung entscheiden können, soll ein neues Etikettierungssystem über die diversen Umwelt-Aspekte eines Lebensmittels informieren. Es soll verbindlich festgeschrieben werden, die Lebensmittelverschwendung auf Einzelhandels- und Verbraucherebene bis 2030 zu halbieren.

Die Biodiversitätsstrategie sieht unter anderem vor, dass bis 2030 mindestens 30 Prozent der Land- und Meergebiete in wirksam bewirtschaftete Schutzgebiete umgewandelt werden. Mindestens 10 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche soll wieder „mit großer Vielfalt“ gestaltet werden. Flüsse sollen auf rund 25.000 Km wieder frei fließen können. Dem Aussterben von Feldvögeln und Bestäubern soll Einhalt geboten werden, ebenso dem Beifang geschützter Arten. Nicht zuletzt sollen drei Milliarden Bäume neu gepflanzt und die Wälder geschützt werden.

Beide Strategien sind tragende Säulen des „Green Deal“, mit dem die EU bis 2050 eine klimaneutrale Kreislaufwirtschaft erreichen will. Gesetzesvorschläge kündigte Timmermans für das erste Quartal 2021 an.

Der Grünen-Europaabgeordnete Martin Häusling forderte die Kommission auf, die Strategien in die laufenden Verhandlungen zur Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik einzubringen. „Ohne eine geänderte Agrarpolitik werden die Ziele nicht zu erreichen sein.“

Die Vorschläge der Kommission für eine nachhaltigere Landwirtschaft seien wichtig, änderten aber nichts an den strukturellen Schwächen der GAP, in der Gelder hauptsächlich für die Größe landwirtschaftlicher Betriebe und nicht für das Erbringen gesamtgesellschaftlicher Leistungen vergeben würden, erklärte die SPD-Europaabgeordnete Delara Burkhardt. „Ohne eine grundlegende Reform dieser Förderpraktiken drohen die in der Strategie vorgeschlagenen Maßnahmen reine Kosmetik für den Naturschutz zu sein ", so Burkhardt.

Der Vorsitzende des Agrarausschusses, Norbert Lins (CDU), kritisierte die Vorschläge als „Stückwerk“. Anstatt die ganze Lebensmittelkette anzuschauen, lägen Fokus und Verantwortung hauptsächlich bei den Landwirten - „das ist weder fair noch erfolgsversprechend“. Für einen langfristig nachhaltigen Wandel müssten alle Akteure vom Hof über die Verarbeitung bis zum Tisch an einem Strang ziehen.

MBI/ang/20.5.2020

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