08.01.2026 - Stromausfall in Berlin/Wegner fordert "schonungslose Analyse"
Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner hat eingeräumt, dass beim Krisenmanagement während des tagelangen Stromausfalls nicht alles rundgelaufen ist. Der CDU-Politiker will dazu ausführlich im Landesparlament Stellung nehmen und kündigte darüber hinaus eine "schonungslose Analyse" der jüngsten Krisenerfahrungen an. "Ich werde am kommenden Donnerstag eine Regierungserklärung abgeben", sagte er am Rande eines Termins mit Berliner Sternsingern im Roten Rathaus an. "Das habe ich der Fraktion mitgeteilt." Das Ziel müsse sein, die kritische Infrastruktur in Berlin, also beispielsweise das Stromnetz, künftig noch besser zu schützen. "Wir müssen schauen, wo sind die Angriffspunkte, die kritisch sind und wie können wir unser Krisenmanagement, unseren Katastrophenschutz noch optimieren", sagte Wegner. "Es hat alles funktioniert, aber wir sind trotzdem einige Punkte aufgefallen, die man noch besser machen kann", räumte er ein. Noch schneller eine zentrale Steuerung zu organisieren, würde es allen Beteiligten einfacher machen, nannte er als Beispiel. "Es gab auch ein paar Reibungspunkte, die können wir uns noch mal genau anschauen." Wegner kündigte eine umfassende Diskussion über Fehler an. "Ich habe mit den Hilfsorganisationen, mit Polizei, Feuerwehr, mit Stromnetz, aber auch mit anderen Versorgern gesprochen", sagte er. "Ich möchte die alle einladen, und ich möchte von denen eine ehrliche Bewertung haben."Er habe unter anderem vom Technischen Hilfswerk (THW) schon das eine oder andere gehört, was verbessert werden könne. "Und hier will ich eine schonungslose Analyse haben."Unterdessen hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) das Krisenmanagement nach dem großen Stromausfall in Berlin verteidigt.Der Bund habe schnell geholfen, unter anderem mit der Bundeswehr, sagte der CDU-Chef nach der CSU-Klausur im oberbayerischen Kloster Seeon. "Hier ist wirklich exzellente Arbeit der Hilfsorganisationen, der Polizei, der Bundeswehr geleistet worden." Es sei ein großer Erfolg dieser gemeinsamen Kraftanstrengung, dass die Stromversorgung früher als gedacht wieder hergestellt worden sei."Ich würde mal sagen, in den Abläufen ist nichts zu kritisieren", sagte Merz. "Wir hätten das wahrscheinlich nicht viel besser machen können, als es so gemacht wurde." Allerdings müsse man sich mit der Frage beschäftigen, ob Deutschland widerstandsfähig genug sei gegen solche Anschläge. "Wir können unsere Infrastruktur nicht lückenlos schützen, aber wir brauchen Redundanzen", sagte Merz. "Die gab es in Berlin offensichtlich nicht im erforderlichen Umfang." Man werde also ausführlich analysieren, was für den Wiederholungsfall besser gemacht werden könne. Die direkte Frage nach dem Verhalten seines Parteikollegen Kai Wegner, der am ersten Tag der Krisenlage eine Stunde Tennis spielen gegangen war, ließ Merz offen. CSU-Chef Markus Söder ging hingegen darauf ein. "Da geht es hier um Linksterrorismus und nicht um eine Stunde Tennis spielen", sagte Söder mit Blick auf den Anschlag auf die Berliner Stromleitung. "Der Linksterrorismus ist stärker zurück, als wir uns das vorstellen können, und zwar mit fundamentalen Auswirkungen", fügte er hinzu. Das müsse "Schwerpunkt der Diskussion" sein. Wegner - auch CDU-Spitzenkandidat für die Abgeordnetenhauswahl im September - hatte am Mittwoch eingeräumt, dass er am vergangenen Samstag wenige Stunden nach Beginn des Blackouts Tennis gespielt hat.Gleichzeitig machten sich 100.000 Betroffene im Berliner Südwesten ohne Strom und Heizung, Internet und Handy-Empfang mitten im Winter große Sorgen.MBI/dpa/cdg/8.1.2026
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