20.10.2020 - OPEC+/Zunächst keine Änderung der Förderpolitik

Die OPEC-Staaten und deren Alliierte (sog. OPEC+) haben am Montag auf ihrem ministeriellen Treffen keine Änderung der Förderpolitik beschlossen und halten noch an ihrem Ausstiegsplan fest, die Ölproduktion Anfang 2021 um weitere 1,9 Millionen Barrel täglich zu erhöhen. Doch zugleich hat der saudische Ölminister eine proaktive Haltung angemahnt, sollte sich die Nachfrage bis dahin nicht wie erhofft dynamisch erholen. Die Analysten der Commerzbank allerdings sehen dafür keinen Konsens innerhalb der Gruppe. Angesichts vieler großer finanzieller und wirtschaftlicher Herausforderungen dürften sich die Risse innerhalb der Allianz demnächst sogar eher vergrößern, vermuten die Analysten. Hauptproblem bleibe die nach wie vor schwache Nachfrage und die Ungewissheit in Bezug auf ihre weitere Entwicklung, was gegen eine Produktionsausweitung spriche. Zugleich steigt die Produktion in einigen Ländern, die sich nicht am Kürzungsabkommen beteiligen. Eine noch größere Gefahr für das OPEC+-Abkommen als die zuletzt starke Erhöhung der libyschen Produktion stellt laut dem Analysten Eugen Weinberg die wahrscheinliche Rückkehr der iranischen Ölexporte im Falle eines Wahlsieges des demokratischen Herausforderers Biden dar. In diesem Fall könnten recht schnell rund 2 Millionen Barrel täglich zusätzlich auf den Weltmarkt kommen. Aber auch in den USA scheint sich die Produktion wiederzubeleben. So ist dort die Zahl aktiver Ölbohrungen in der letzten Woche um zwölf gestiegen, er stärkste Wochenanstieg seit Januar. Mit 205 aktiven Bohrungen stieg deren Zahl binnen zwei Monaten um 23. Die Konsolidierung in der Schieferölindustrie hält unterdessen an und dürfte längerfristig zur Stabilisierung der Branche beitragen. Auch angesichts der eher optimistischen Haltung der Anleger am Ölmarkt sieht Weinberg in den kommenden Tagen für den Ölpreis durchaus Potenzial nach unten. So sind die Netto-Long-Positionen der Finanzanleger bei Brent an der ICE in der Woche zum 13. Oktober um über 40 Prozent auf über 116.000 Kontrakte gestiegen. Dies ist zwar noch keine spekulative Überhitzung, doch mahnt der höhere Optimismus der Anleger eher zu Vorsicht.

MBI/cdg/20.10.2020

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