22.10.2020 - Studie/Klimaziel erfordert CO2-Senkung um 65 Prozent bis 2030

Damit Deutschland das Ziel der Klimaneutralität erreichen kann, müssten in den nächsten zehn Jahren deutlich mehr Treibhausgasemissionen eingespart werden. Nötig sei eine Anhebung des Klimaziels um zehn Prozentpunkte auf 65 Prozent gegenüber 1990, heißt es in einer Studie der Prognos AG, des Öko-Instituts und des Wuppertal Instituts im Auftrag von Agora Energiewende, Agora Verkehrswende und der Stiftung Klimaneutralität. Auch müsste das Ökostromziel bis 2030 von derzeit 65 Prozent auf 70 Prozent steigen.

"Der Weg in die Klimaneutralität ist ein umfassendes Investitions- und Zukunftsprogramm für Deutschland, vergleichbar mit dem Wirtschaftswunder in den 1950er/60er-Jahren", erklärt Agora-Energiewende-Direktor Patrick Graichen. "Dafür müssen wir beim Ausbau von Wind- und Solaranlagen alles geben." Dies sei "nicht mehr nur im öffentlichen Interesse, sondern dient der nationalen und wirtschaftlichen Sicherheit", so Graichen.

Konkret müsse sich der Ökostrom-Zubau im nächsten Jahrzehnt in etwa verdreifachen. Damit müsste auch das von Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) überarbeitete Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), das ab Ende nächster Woche im Bundestag beraten wird, deutlich nachgeschärft werden. Es sieht etwa nur eine Verdopplung der Photovoltaik auf rund 100 Gigawatt vor, obwohl laut der Studie 150 Gigawatt nötig wären. Bei Windkraft an Land wären 80 Gigawatt nötig, bei Offshore-Wind eine Anhebung von jetzt knapp acht auf 25 Gigawatt statt der zurzeit vorgesehenen 20 Gigawatt.

Auch im Verkehrssektor fordern die Autoren mehr Tempo. Statt der von der Regierung anvisierten sieben bis zehn Millionen zugelassenen Elektrofahrzeuge müssten es bis 2030 bereits 14 Millionen sein. Rund ein Drittel der Lkw soll dann elektrisiert sein. Für das Jahr 2050 ergibt das Szenario, dass jeweils etwa ein Drittel des Straßengüterverkehrs über Batterien, Oberleitungen und Brennstoffzellen angetrieben wird. Strombasierte synthetische Kraftstoffe setzen sich demnach aber erst nach 2030 allmählich durch, vor allem im Flug- und Schiffsverkehr.

Für die Industrie sieht die Klimastudie Anlagen auf Basis von Wasserstoff anstelle von Kokskohle vor. So müsse rund die Hälfte der deutschen Stahl-Hochöfen in den kommenden zehn Jahren aus Altersgründen ersetzt werden. Dennoch räumen die Autoren ein, dass sich nicht alle Industrie-Emissionen vermeiden lassen, etwa in der Zementproduktion. Deshalb brauche es die Abscheidung und unterirdische Speicherung, das so genannte CCS (Carbon Capture and Storage). Schließlich müssen bis 2050 alle Gebäude vollständig energetisch saniert werden. Dazu erwarten die Experten, dass bereits 2030 in sechs Millionen Häusern mit Wärmepumpen geheizt wird.

MBI/DJN/aul/22.10.2020

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