29.06.2020 - Spanien treibt Kohleausstieg mächtig voran

Spanien ist auf dem besten Weg, in Rekordzeit kohlefrei zu werden. Einige der 15 noch aktiven Kohlekraftwerke sollen am 30. Juni vom Netz gehen, berichtet die Zeitung El Pais. Das sei 1,5 Jahre nach der Schließung der Kohleminen des Landes. Diese konnten ohne Staatshilfen nicht überleben, doch die EU ließ diese nicht zu.

Das Aus für die Kraftwerke kam, weil die Besitzer ihre Anlagen nicht auf den Stand der europäischen Richtlinien bringen wollten. Einige der Kraftwerke produzieren schon seit Monaten keinen Strom mehr, weil es sich für die Betreiber nicht länger lohnt. Ursächlich dafür sind die Marktbedingungen und politische Entscheidungen der EU-Kommission.

Noch vor wenigen Jahren waren die Kohlekraftwerke für rund 15 Prozent aller Treibhausgase in Spanien verantwortlich. Im Mai 2020 haben die Kohle befeuerten Kraftwerke nur noch 1,4 Prozent zum Strommix beigetragen, am 1. und 2. Mai produzierten sie laut El Pais gar keinen Strom.

Die sieben Kraftwerke, die abgeschaltet werden sollen, haben eine Leistung von 4.630 Megawatt und 1.100 Mitarbeiter. Vier andere Anlagen kommen auf 3.092 Megawatt und 800 Mitarbeiter, sie dürften 2021 oder 2022 vom Netz gehen. In Spanien gibt es laut der Zeitung noch vier weitere Kraftwerke, deren Betreiber sich noch nicht geäußert haben, wann die Anlagen stillgelegt werden.

Tatiana Nuño von Greenpeace vermutet, dass es nach 2025 keine Kohleverstromung mehr in Spanien geben wird. Ana Barreira, Direktorin am Institut für Internationales Recht und Umwelt, hat diesen Zeitpunkt ebenfalls im Blick. Quellen aus der Industrie gehen davon aus, dass der Ausstieg schon in zwei bis drei Jahren vollzogen wird.

Die EU-Reformen haben den Preis für CO2 im europäischen Markt nach oben getrieben. Das Emissionshandelssystem hat einen Preis für CO2 erzeugt, der hoch genug ist, die Verstromung von Kohle unrentabel zu machen. 2019 kostete CO2 im Schnitt 25 Euro. Dazu kam der niedrige Preis für Gas. Prognosen gingen von einem höheren Gaspreis 2020 aus. Doch dann kam Corona und die Erholung des Preises blieb aus.

MBI/sir/29.6.2020

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