25.11.2021 - Ember-Analyse/Deutscher Kohleausstieg setzt verbleibende Kohleländer unter Druck

Die Ankündigung Deutschlands, bis 2030 aus der Kohleverstromung auszusteigen, bringt die verbleibenden Kohleländer der EU unter Druck. Neue Untersuchungen der unabhängigen britischen Denkfabrik Ember zeigen, dass Polen, die Tschechische Republik und Bulgarien 2030 für über 95 Prozent der geplanten Kohleverstromung in der EU verantwortlich sein werden. Während der Rest der EU-27 die Kohleverstromung zwischen 2015 und 2030 um 99 Prozent reduziert, kommen Polen, Tschechien und Bulgarien zusammen nur auf einen Rückgang von 42 Prozent. Um den globalen Temperaturanstieg auf 1,5 °C zu begrenzen, müssten nach Berechnungen von Ember jedoch alle EU-Länder ihren Beitrag leisten und die Kohleverstromung bis 2030 beenden.

Die Analyse zeigt, dass die Stromerzeugung aus Kohle in der EU von 2015 bis 2030 um 83 Prozent zurückgehen wird - von 705 Terawattstunden (TWh) auf 118 TWh. Das geht aus den jüngsten Plänen der nationalen Regierungen (einschließlich der neuen deutschen Ankündigung) hervor.

Die Pläne für den Ausstieg aus der Kohle beschleunigen sich. Vor zwei Jahren hatten die EU-Länder ihre nationalen Energie- und Klimapläne vorgelegt. Danach ist die für 2030 geplante Stromerzeugung aus Kohle in der EU um mehr als die Hälfte reduziert (- 58 Prozent). Dadurch werden im Jahr 2030 zusätzliche 89 bis 152 Millionen Tonnen CO2-Emissionen vermieden. Das entspricht 53 bis 90 Millionen Autos weniger auf den Straßen.

Die in der EU verbleibenden Kohlekraftländer sind isoliert. Drei Länder werden für über 95 Prozent der geplanten Kohleverstromung in der EU im Jahr 2030 verantwortlich sein: Polen (63 Prozent), Tschechien (18 Prozent) und Bulgarien (14 Prozent). In diesen drei Ländern wird die kombinierte Stromerzeugung aus Kohle zwischen 2015 und 2030 um nur 42 Prozent zurückgehen, in den übrigen EU-Mitgliedstaaten dagegen um 99 Prozent.

Wie die Internationale Energieagentur IEA feststellte, müssten aber alle EU-Mitgliedstaaten bis 2030 aus der Kohle aussteigen, um den globalen Temperaturanstieg auf 1,5 °C zu begrenzen.

Bis Ende 2019 mussten alle EU-Länder der EU-Kommission nationale Energie- und Klimapläne (NECP) vorlegen. Die Auswertung dieser NECPs durch Ember ergab, dass die EU-Länder immer noch planen, 2030 insgesamt 282 TWh Strom aus Kohle zu erzeugen. Doch seit der Veröffentlichung der NECPs hat die EU beträchtliche Fortschritte auf dem Weg zu einem Kohleausstieg bis 2030 gemacht. Besonders Deutschland hat als Teil der neuen Regierungskoalition einen Kohleausstieg für 2030 angekündigt. Zuvor hatte Deutschland geplant, 2030 noch 134 TWh Kohlestrom zu erzeugen. Das ist mehr als ein Drittel der ursprünglich in den NECP festgelegten EU-Gesamtmenge.



Polen

Im Jahr 2020 erzeugte Polen 70 Prozent seines Stroms aus Kohle und war 2020 für 30 Prozent der gesamten EU-Stromerzeugung aus Kohle verantwortlich. Dieser Anteil wird laut Ember bis 2030 auf 63 Prozent steigen. Polen hat in den vergangenen Jahren mehrere neue Kohlekraftwerke in Betrieb genommen und sich geweigert, den Ausbau des problematischen Braunkohlebergwerks Turów zu stoppen.

Während der COP26 unterzeichnete Polen die Erklärung zum Übergang von Kohle zu sauberer Energie, machte aber später einen Rückzieher. Das Land will nun bis 2049 die Kohleverstromung einstellen. Eine glaubwürdige Diskussion über den Kohleausstieg auf nationaler Ebene hat noch nicht begonnen.



Tschechische Republik

Im Jahr 2020 erzeugte die Tschechische Republik 40 Prozent ihres Stroms aus Kohle und war damit für 9 Prozent der gesamten EU-Stromerzeugung verantwortlich, im Jahr 2030 wird dieser Anteil auf 18 Prozent steigen. Im August 2019 wurde eine Multistakeholder-Kohlekommission eingesetzt, um die Möglichkeit eines Kohleausstiegs zu prüfen. Trotz einer einer Reihe von Studien (einschließlich einer Analyse von Ember), die zeigen, dass ein Kohleausstieg bis 2030 machbar und vorteilhaft ist, empfahl die tschechische Kohlekommission den Ausstieg aus der Kohle im Jahr 2038. Seitdem wurde eine neue Regierung gebildet, deren Koalitionsvertrag einen Kohleausstieg vor 2038 vorsieht. Das endgültige Datum steht jedoch noch nicht fest.



Bulgarien

Im Jahr 2020 erzeugte Bulgarien 33 Prozent seines Stroms aus Kohle. Das Land war damit für 4 Prozent der gesamten EU-Stromerzeugung aus Kohle verantwortlich. Dieser Anteil wird bis 2030 auf 14 Prozent steigen. Die bulgarische Regierung kündigte in ihrem Entwurf für einen nationalen Konjunktur- und Resilienzplan, der der Europäischen Kommission im Oktober 2021 vorgelegt wurde, an, dass das Land 2038 oder 2040 aus der Kohleverstromung aussteigen werde. Der Kohleausstiegsplan bleibt weit hinter den Plänen der direkten Nachbarn Griechenland, Nordmazedonien und Rumänien zurück, die für 2025, 2027 beziehungsweise 2032 einen Kohleausstiegsplan angekündigt haben.

Kroatien, Rumänien und Slowenien planen für 2030 eine geringe Menge an Kohleverstromung, doch werden sie alle Anfang der 2030er Jahre aus der Kohleverstromung aussteigen.

MBI/sir/25.11.2021

Melden Sie sich für unseren Newsletter an

Sie möchten keine Neuigkeiten mehr verpassen, zu unseren Veranstaltungen oder Informationsdienstleistungen?

Melden Sie sich hier für unseren Newsletter an und wählen Sie die für Sie relevanten Branchen:

  • Stahl
  • NE-Metalle
  • Energie
  • Agrar | Ernährung
  • Kunststoffe
  • Einkauf
  • Europa | Außenhandel | Zoll
  • E-Mobility | H2-Mobility

Weitere Plattformen der MBI Infosource