24.10.2019 - Pionierkraft/Solarstrom mit den Nachbarn teilen

Ein Münchner Startup will Erneuerbare Energien für möglichst viele Menschen zugänglich machen. Dafür entwickelt das Pionierkraft-Team eine Lösung aus Hardware und Software, mit der Besitzer von Solaranlagen ihre Nachbarn direkt mit Strom versorgen können. Erste Pilottest starten in diesem Jahr, für 2020 peilt das Unternehmen mehrere Projekte mit Stadtwerken an.

Andreas Eberhardt ist mit der Energiewende groß geworden: Im elterlichen Betrieb hat er schon während seiner Schulzeit mitgeholfen, Photovoltaikanlagen zu verkaufen und zu installieren. Auf Dächern Solarzellen aufgebaut und sich auch mit den Kunden ausgetauscht. Dabei hat er gemerkt: Viele würden den selbst erzeugten Strom gerne an Nachbarn verkaufen. Aber sie fanden keine passende Möglichkeit.

Dann entschied er sich, Elektrotechnik und Erneuerbare Energien zu studieren. Einer seiner Professoren stand vor der gleichen Herausforderung: Auch er wollte seinen Solarstrom mit Nachbarn teilen. Also entschied Eberhardt, seine Bachelorarbeit darüber zu schreiben. Entstanden ist so das Konzept für das Herzstück seines heutigen Startups Pionierkraft: eine Hardware, die es ermöglicht, Strom zwischen netzgebundenen Haushalten bedarfsgerecht zu übertragen und somit erneuerbare Energien auch Menschen ohne eigene Erzeugungsanlage zugänglich machen kann.

Die beiden Gründer des Münchner Startups, Andreas Eberhardt und Nicolas Schwaab, bringen diese vor mehreren Jahren geborene Idee nun zur Marktreife. Sie entwickeln zusammen mit dem insgesamt fünfköpfigen Team Hardware und Software, über die Nachbarn selbst erzeugten Solarstrom miteinander teilen können - und zwar über eine eigene, private Leitung. So können Hausbesitzer mit einer eigenen Solaranlage auf dem Dach ihren überschüssigen Strom direkt verkaufen. „PV-Anlagen werden für sie so deutlich rentabler“, sagt Schwaab. Die Lösung funktioniert in einem Haus mit mehreren Parteien, beliefert werden können aber auch Nachbarn auf angrenzenden Grundstücken.

Auch für die belieferten Haushalte zählt Schwaab eine Reihe von Vorteilen auf. „Auch Personen, die keine eigene Solaranlage auf dem Dach haben, können sich so an der Energiewende beteiligen“, sagt der Betriebswirt. Sie zahlen für regional erzeugten Strom, der die öffentlichen Netze nicht belastet. „Der Strom, den sie beziehen, ist nicht nur auf dem Papier grün“, sagt Schwaab, „sondern der Konsument erhält tatsächlich echte erneuerbare Energie, direkt aus der Solaranlage des Nachbarn.“ Gleichzeitig profitierten sie von einem kleineren Strompreis. Denn wer Strom direkt bezieht, spart Netzentgelte und Gebühren.

Ähnliche Mieterstromprojekte - in denen zum Beispiel der Vermieter die übrigen Mieter eines Hauses mit Strom versorgt, ohne das öffentliche Netz zu nutzen - breiten sich seit einigen Jahren in Deutschland aus. Doch der große Durchbruch ist noch nicht gelungen. Stadtwerke, Stromanbieter und Startups setzen die Projekte vor allem in größeren Mehrfamilienhäusern um.

Pionierkraft will nun einige Schritte weiter gehen - und Mieterstromprojekte in kleineren Mehrfamilienhäusern ermöglichen. Ein Alleinstellungsmerkmal: „Mit unserer Lösung können Anlagenbesitzer ihren Strom wirtschaftlich ab der ersten zu beliefernden Partei verkaufen“, sagt Mitgründer Schwaab. Die Lösung von Pionierkraft sei mit deutlich geringeren administrativen Aufwänden und Kosten verbunden, „aufgrund der innovativen technischen Umsetzung hinter dem Zähler des Kunden.



Louisa Schmidt



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