13.02.2020 - Zahl der Bauernhöfe sinkt deutlich: DZ Bank sieht die Landwirtschaft im Umbruch

Die DZ Bank erwartet, dass sich der Strukturwandel in der Landwirtschaft in den nächsten Jahren verschärfen wird und sich die Zahl der Betreibe mehr als halbiert. "Spätestens, wenn die geburtenstarken Jahrgänge unter den Landwirten in den Ruhestand gehen, ist mit einem neuen Schub beim ‚Höfesterben‘ in Deutschland zu rechnen", schreibt Stefan Bielmeier, Bereichsleiter Research und Chefvolkswirt der DZ Bank, in seinem Blog.

Auslöser für die Zukunftsängste der Landwirte seien ein starker internationaler Preiswettbewerb sowie Umweltschutzauflagen, Klimawandel, technischer Fortschritt und demografische Probleme. So zählt die Landwirtschaft laut Bielmeier zu den Wirtschaftszweigen, in denen Digitalisierung eine deutlich effizientere Produktion verspricht. Allerdings seien diese neuen Techniken mit hohen Investitionen verbunden. Das verstärke den Druck zur Bildung größerer Betriebseinheiten. Hinzu komme die sich verschärfende Nachfolgeproblematik.

Bis 2040 dürfte die Zahl der Betriebe von derzeit 266.700 (2018) auf rund 100.000 sinken, schätzt der Chefvolkswirt. Bei einer weitgehend unveränderten landwirtschaftlichen Gesamtnutzfläche in Deutschland steige die durchschnittliche Betriebsgröße von 62,4 auf ca. 160 Hektar. Gleichzeitig dürften sich die Arbeitsplätze im Sektor auf 325.000 halbieren.

Auf der anderen Seite gewinne die Öko-Landwirtschaft an Bedeutung, angetrieben von veränderten Ernährungsgewohnheiten und Umweltschutzbemühungen. Selbst wenn sich der aktuell starke Zuwachs an Bio-Höfen abschwächt, dürften die Öko-Bauern bis 2040 auf rund 45.000 zunehmen und der Anteil ökologisch bewirtschafteter Flächen von derzeit 10 Prozent auf etwa ein Fünftel der landwirtschaftlichen Nutzfläche Deutschlands wachsen, prognostiziert Bielmeier.

Langfristig drohe jedoch die Abkehr vom Jahrhunderte alten Modell des bäuerlichen Familienbetriebs, den selbstständige Bauern, kleine Betriebseinheiten und mithelfende Familienangehörige kennzeichneten. Künftig werden demnach immer stärker zwar inhabergeführte, aber große, kapitalintensive und betriebswirtschaftlich organisierte Agrarunternehmen die Branche prägen. Die neue Generation landwirtschaftlicher Unternehmen nutze intensiv moderne Technik und greife trotz rückläufigem Arbeitskräfteeinsatz zunehmend auf familienfremde Fachkräfte zurück. Bessere "Überlebenschancen" hat nach Einschätzung des Analysten das Modell des bäuerlichen Familienbetriebs in der ökologischen Landwirtschaft.

MBI/12/sru/ste/13.2.2020

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