09.04.2020 - "Küken müssen aufgezogen werden"/Bioland und Demeter gegen Früherkennung im Ei

Die beiden Ökoverbände Bioland und Demeter haben Ostern zum Anlass genommen, die Früherkennung im Ei erneut abzulehnen. Das aktuelle Ziel der Bundesregierung, ab 2022 keine geschlüpften Küken mehr töten zu dürfen, unterstützen die Verbände eigenen Angaben zufolge. Aktuell beworbene Ansätze, bei denen nach einer Geschlechtsbestimmung im Ei ausgebildete Embryonen vor dem Schlupf getötet werden, stellen für Bioland und Demeter jedoch keine Option dar.

"Anstatt Millionen von Euro in die Geschlechtsbestimmung im Ei zu stecken, müssen vielmehr Millionen von Küken aufgezogen werden", sagt Stephanie Strotdrees, Vizepräsidentin Bioland. "All die Verfahren verlagern das Problem nur, anstatt es zu lösen. Es gibt Alternativen zum Kükentöten. Sie lauten Zweinutzungshuhn und Bruderhahn-Aufzucht. Denn die Tiere haben einen Wert und ihren Platz bei uns auf den Höfen. Ich freue mich daher, unseren Kunden im eigenen Hofladen neben den Eiern meiner Legehennen auch leckere Hähnchen anbieten zu können."

Demeter-Vorstand Alexander Gerber ergänzt: "Das Bundeslandwirtschaftsministerium und die Handelsketten stecken seit einigen Jahren Millionen an Forschungsgeldern in die Geschlechtsbestimmung im Ei. Aber dies ist kein konsequenter Ansatz, um das Kükentöten zu beenden und um die Fehlentwicklung, in die sich die Geflügelwirtschaft in den letzten Jahrzehnten hineinmanövriert hat, wenden zu können. Statt die Küken nun einfach etwas früher zu töten, indem die männlichen Embryonen geschreddert werden, brauchen wir einen ganzheitlichen Ansatz, der Tierwohl, regionale Wertschöpfungsketten auch beim Futter und nachhaltigen Konsum verbindet."

Bezugnehmend auf die aktuelle Aldi-Kampagne warnt Strotdrees: "Die Verbraucher dürfen sich jetzt nicht von den großen Handelsketten täuschen lassen. Was auf den ersten Blick nach Tierwohl klingt, ist in Wahrheit ein Kükentöten in anderem Gewand. Alle aktuell verfügbaren Selektionsverfahren im Ei greifen zu einem Zeitpunkt ein, zu dem das Schmerzempfinden der Küken bereits ausgebildet ist. Die Vermarktung mit der Beschreibung ‚ohne Kükentöten‘ ist daher hochgradig irreführend. Einen Eierkonsum ohne Kükentöten gibt es nur mit Hahnenaufzucht. "

MBI/12/sru/ste/9.4.2020

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