15.09.2020 - Deutsche Notierung bricht ein/ASP bringt EU-Schweinepreise zum Wackeln

Der europäische Schlachtschweinemarkt ist durch den ersten bestätigten Schweinepest-Fall bei einem Wildschwein in Brandenburg erheblich verunsichert. Die deutsche Notierung für Schlachtschweine brach infolgedessen in der vergangenen Woche stark ein, wie die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Nord (ISN) am Dienstag mitteilt. Am vergangenen Donnerstag war die ASP-Infektion bei einem tot aufgefundenen Wildschwein im Kreis Spree-Neiße bestätigt worden. Bei weiteren intensiven Suchen rund um den Fundort wurde bislang kein weiteres infiziertes Tier gefunden. Die Errichtung eines 12 km langen Elektrozaunes um das Kerngebiet ist nun abgeschlossen. Schweinehalter, Jäger und Behörden und Politiker haben sich schon seit Langem mit Notfallplänen auf diesen Fall vorbereitet und sehen sich gut gerüstet.

Bedingt durch die veränderte Marktsituation wurde am Freitag in einer außerordentlichen Preiskonferenz der Vereinigung der Erzeugergemeinschaften die deutsche Notierung um 20 Cent nach unten korrigiert. Mit dem neuen Notierungsniveau bildet Deutschland nun das Schlusslicht im europäischen Preisgefüge.

Wie bereits im Vorfeld von den Marktteilnehmern erwartet, folgten nach Bestätigung des ASP-Verdachts sukzessive die Sperrungen der deutschen Exporte für Schweinefleisch in Drittländer, darunter inzwischen auch für Deutschland wichtige Märkte wie China, Südkorea oder Japan. Als Konsequenz daraus wird sich die deutsche Ware auf dem innereuropäischen Markt verteilen müssen. Daran arbeiten alle Beteiligten nun unter Hochdruck. Darüber hinaus werden Verhandlungen mit den Drittländern geführt, um Lösungen für die gesperrten Märkte zu finden.

Die von Deutschland ausgehende Verunsicherung überträgt sich auch auf andere Länder. So wurde beispielsweise in Belgien auf eine Fixierung eines Auszahlungspreises verzichtet, um die Entwicklung in Deutschland abzuwarten.

In Dänemark und den Niederlanden gaben die Notierungen um korrigierte 7 bzw. 5 Cent nach. In Spanien und Österreich blieben die Notierungen auf dem erreichten Niveau stehen, während französische Schweinehalter ein kleines Plus verbuchen konnten. Die britische Schlachtschweinenotierung gab wechselkursbedingt nach.

Der deutsche Schlachtschweinemarkt startet verunsichert in die neue Woche. Eine weitere Verschärfung deutet sich aktuell nicht an. Mit dem starken Preisrückgang vom vergangenen Freitag dürften die ASP-bedingten Marktverwerfungen zunächst eingepreist sein, erwartet die ISN.

MBI/12/ste/15.9.2020

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