26.10.2020 - Auffüllen der Lagerbestände/Chinesische Importe heben Aussichten für Frachtraten

China stockt seine Rohstoffvorräte auf. Aufgrund zunehmender Coronavirus-Infektionen unter den westlichen Handelspartnern des Landes bereitet sich Peking offenbar auf eine mögliche neue Welle von Unterbrechungen in der Versorgungskette vor. China macht als weltweit größter Rohstoffimporteur etwa 40 Prozent des Marktes für Trockenmassenguttransporte aus. Seine sich erholende Wirtschaft hat zu einem Preisanstieg bei industriellen Rohstoffen geführt. Da die Gesamtimporte Chinas im September verglichen mit dem Vorjahresmonat um 13,2 Prozent gestiegen sind, erwarten Verantwortliche in der Transportbranche einen Anstieg der Frachtraten für das kommende Jahr.

Dieser Anstieg erfolge trotz des anhaltenden Zollstreits mit den USA und wachsender Spannungen mit Australien, einem der größten Rohstoffhandelspartner Chinas. "China wird seine Bemühungen zur Ankurbelung der Wirtschaft bis ins nächste Jahr hinein fortsetzen, und dies wird die Raten für Trockenmassengüter stützen", sagte Peter Sand, leitender Analyst beim Handelsverband Bimco: "Wenn die Welt nicht wieder zum Stillstand kommt, wird es eine globale Nettoauffüllung der Lagerbestände geben, was mehr Lieferungen bedeutet."

Futter für die Bullen am Frachtmarkt bieten auch die US-Sojaexporte. Im Zeitraum 1. September bis Mitte Oktober haben US-Exporteure 8,24 Millionen Tonnen Sojabohnen nach China verschifft, während es im Vergleichszeitraum des Vorjahres lediglich etwas mehr als 1 Million Tonnen waren, meldet Bimco. Auch die kontrahierten Lieferungen von US-Mais ins Reich der Mitte sollen 2020/21 auf rund 10 Mio t steigen, während es in der vergangenen Saison lediglich 59.000 t gewesen waren. Während im Herbst 2019 noch der Handelsstreit zwischen Peking und Washington einen Großteil der Lieferungen eingefroren hatte, hat China seine Käufe von US-Agrargütern seit Januar 2020 im Zuge des Phase-1-Abkommens deutlich erhöht.

Die täglichen Frachtraten für Dry-Bulk-Frachter gehören zu den volatilsten im Schifffahrtssektor. Die Spot-Rate für Capesize-Schiffe, die größten Dry-Bulk-Schiffe, ist von 35.000 USD Mitte Oktober, als ein Dutzend Ladungen australischer Kohle mit Bestimmungsort China storniert wurden, auf rund 18.000 USD gesunken, so Reeder und Makler.

Laut einer Umfrage des Wall Street Journal unter 13 Dry-Bulk-Betreibern erwarten Führungskräfte und Broker, dass die Gesamtnachfrage nach Dry-Bulk-Schiffen in den nächsten fünf Jahren um durchschnittlich 3 Prozent steigen wird, ausgehend von einer flachen Nachfrage 2020 im Vergleich zu 2019. Die in Oslo ansässigen Analysten von Jefferies erwarten in den nächsten drei Jahren einen Anstieg der jährlichen Frachtmenge für Trockenmassengutfrachter, wobei die Transportnachfrage die verfügbare Kapazität übersteigen soll.

Der Test für Dry-Bulk-Carrier wird im ersten Quartal erwartet, wenn die Nachfrage nach Rohstoffen im Vergleich zum vierten Quartal typischerweise um etwa 10 Prozent nachlässt, da die chinesische Produktion während der Feiern zum Mond-Neujahr sinkt. "Trotz des saisonalen Rückgangs dürften die Frachtraten aufgrund des Nachholbedarfs in China und dem Wiederauffüllen der Lagerbestände solide bleiben", erwartet George Lazaridis, Leiter der Forschungsabteilung der Allied Shipbroking Inc mit Sitz in Athen: "Wenn Covid die Welt nicht wieder überschwemmt, sieht der Trockenfrachtbereich in den nächsten sechs Monaten positiv aus."

MBI/DJN/gil/ste/26.10.2020

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