07.06.2018 - US-Strafzölle auf Stahl: Verwaltung mit Anträgen auf Ausnahmen offenbar überlastet

Nach Informationen des europäischen Stahlverbandes Eurofer hat bisher noch kein US-Stahlkunde von den US-Behörden die Genehmigung auf Ausnahme von den neuen Strafzöllen von 25 Prozent auf Stahlimporte bekommen. Die Administration sei mit Tausenden von Anträgen überlastet, sagte Axel Eggert, Generaldirektor von Eurofer, am Donnerstag am Rande des „Stahltags“ in Brüssel. Es sei unklar, wie lange die Verfahren dauern könnten. Eurofer erwartet, dass die EU, wie angekündigt, in Übereinstimmung mit WTO-Regeln so schnell wie möglich ihrerseits vorläufige Schutzzölle einführen wird, um zu verhindern, dass Stahl aus aller Welt wegen der US-Zölle in die EU umgeleitet werde. Das könnten nach Erwartung des Verbandes 13 Millionen Tonnen im Jahr werden.

So etwas könnten die EU-Stahlhersteller nicht verkraften. „Wir müssen diesen Tsunami stoppen“, sagte Eurofer-Präsident Geert Van Poelvoorde. Die EU-Zölle müssten auf alle Stahlprodukte ebenfalls mindestens 25 Prozent betragen, um das Schlimmste zu verhindern. „Symbolische Aktionen nützen uns nichts“, so Van Poelvoorde. Eine umfangreiche Liste mit Stahlprodukten, auf die Aufschläge von 25 Prozent erhoben werden sollen, hat die EU-Kommission bereits vorgelegt.

Eurofer wolle allerdings die traditionellen Handelsströme nicht beeinträchtigen, so Van Poelvoorde. Deswegen sollen die Zölle erst bei Überschreiten einer Importquote erhoben werden, die das Niveau der derzeitigen Importe abbildet. Eurofer erwartet, dass diese Quote von der EU-Kommission im Durchschnitt der vergangenen drei Jahre festgelegt wird. Die derzeitigen Importe beziffert der Verband auf 40 Millionen Tonnen im Jahr.

Die Quote solle am besten länderspezifisch und quartalsbezogen festgelegt werden statt global. Eine weltweite Quote könne zu Volatilität am Markt führen und etablierte Lieferketten zerstören, weil Produzenten mit großen Kapazitäten dann zu Jahresbeginn so viel wie möglich in die EU verkaufen und die Quote aufbrauchen würden, während andere Produzenten leer ausgingen, sagte Van Poelvoorde.

Ausnahmen von den EU-Zöllen sollte es nach Ansicht des Verbandes nicht geben, weder für einzelne Produkte noch für einzelne Länder. Auch EFTA-Staaten wie die Schweiz und Norwegen oder die Türkei, die eine Zollunion mit der EU hat, wären betroffen. Denn selbst zusätzliche Importe weit unterhalb von 13 Millionen Tonnen könnten erhebliche Preiseffekte haben, argumentiert Eurofer. Wieviel zusätzliche Importe eventuell auf Deutschland entfallen könnten, lasse sich derzeit nicht abschätzen, sagte Eggert. Vorläufige Zölle werden in der EU in der Regel für 200 Tage verhängt. Mit endgültigen Zöllen rechnet Eurofer dann um den Jahreswechsel.

MBI/fra/kri/7.6.2018

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