16.09.2019 - DIHK - Wirtschaft vom Verlauf der Energiewende enttäuscht

Die deutsche Wirtschaft ist vom Fortschritt in der Energiewende enttäuscht und macht sich Sorgen über steigende Strompreise und die Versorgungssicherheit. Laut einer aktuellen Umfrage für den Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) ist Klimaschutz ein wichtiges Thema für die Unternehmen, aber die Energiewende-Stimmung in der Wirtschaft ist insgesamt so negativ wie seit 2015 nicht mehr. "Das Vertrauen der Unternehmen in nachhaltige Entscheidungen der Politik ist durch Fehlentwicklungen bei der Energiewende empfindlich gestört", sagte DIHK-Präsident Eric Schweitzer zu den Umfrageergebnissen. "Das zeigt sich über Branchen und Regionen hinweg."

Für das IHK-Energiewende-Barometer wurden im Juni fast 2.600 Mitgliedsunternehmen befragt, die die Folgen der Energiewende für die eigene Wettbewerbsfähigkeit einschätzen sollten. Nur 15 Prozent der Industrieunternehmen betrachten die Energiewende noch als positiv für ihr eigenes Geschäft.

Besonders der Netzausbau ist für 79 Prozent der Unternehmen eine zentrale Aufgabe für die Politik, "Wenn wir nicht mehr Stromtrassen bekommen, um etwa Windstrom von der Küste in die Industrieregionen im Süden zu transportieren, schaffen wir den Umstieg weder ökologisch noch wirtschaftlich", warnte Schweitzer.

Andere wichtige Forderungen der Unternehmen waren beschleunigte Planungs- und Genehmigungsverfahren (70 Prozent), eine Verringerung der Steuer- und Abgabenlast auf Strom (57 Prozent), eine bessere Koordination der Energiewende (57 Prozent) und der weitere, verstärkte Ausbau erneuerbarer Energien (55 Prozent).

Von der Regierung forderte der DIHK daher bei den geplanten Klimaschutzmaßnahmen zum Erreichen der deutschen Klimaziele die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft im Blick zu behalten. Komme etwa eine Bepreisung des Kohlendioxidausstoßes, benötige die Wirtschaft Übergangszeiten, weil es in vielen Fällen - etwa im Schwerlastverkehr - noch keine wirtschaftlich verfügbaren Alternativen gebe.

"Zentral bei einer CO2-Bepreisung ist, dass die Wirtschaft unter dem Strich nicht zusätzlich belastet wird", forderte Schweitzer. "Denn ein CO2-Preis würde in Kombination mit den im internationalen Vergleich hohen Strompreisen ihre Wettbewerbsfähigkeit gefährden. Unternehmen, die wenig Strom, aber beispielsweise viel Erdgas verbrauchen, müssten zusätzlich entlastet werden. "Andernfalls verliert Deutschland für diese Betriebe seine Attraktivität als Investitionsstandort", warnte Schweitzer.

MBI/DJN/gil/16.9.2019

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