09.08.2018 - Thyssenkrupp - Stahlerzeugung und Rohstoffhandel laufen gut

Thyssenkrupp ist im dritten Quartal in allen Geschäftsbereichen mit Ausnahme des Aufzugssparte gewachsen, hat wegen Problemen mit einigen Projekten wie angekündigt aber deutlich weniger Gewinn gemacht. Unter dem Strich sorgte ein steuerlicher Einmaleffekt sogar für einen Verlust.

Der Umsatz stieg konzernweit um 7 Prozent auf 11,1 Milliarden Euro. Gegenwind von der Währungsseite verhinderte zusätzliche 2 Prozentpunkte Wachstum. Der Auftragseingang stieg ebenfalls um 7 Prozent, blieb mit 10,9 Milliarden aber hinter dem Umsatz zurück.

Wegen zusätzlicher Kosten bei einigen Großprojekten im Anlagen- und Schiffbau ging das bereinigte operative Ergebnis (EBIT) um mehr als ein Drittel auf 332 Millionen Euro zurück, wie der Konzern aus Essen mitteilte.

Verlustvorträge nicht mehr möglich

Die im Juni vereinbarte Fusion des europäischen Flachstahlgeschäfts mit dem von Tata Steel sorgte durch einen einmalig erhöhten Steueraufwand unter dem Strich sogar für einen Verlust von 114 Millionen Euro nach einem Überschuss von 268 Millionen Euro im Vorjahr. Bisher genutzte Verlustvorträge können nach der Abspaltung nun nicht weiter genutzt werden, erklärte der Konzern.

Gut lief es abermals in der Stahlerzeugung und im Rohstoffhandel. Beide Werkstoffgeschäfte profitierten von der anhaltend positiven Entwicklung des Marktzyklus, wie Thyssenkrupp erklärte. Unter den Industriegeschäften entwickelte sich das Geschäft mit den Fahrzeugkomponenten am besten. Die Aufzugssparte verbuchte wegen gestiegener Rohstoffpreise und starkem Wettbewerb in China 9,2 Prozent weniger Gewinn.

Großprojekte laufen aus dem Ruder

Probleme im Anlagen- und Schiffbau hatten den Industriekonzern bereits am vergangenen Dienstag zu einer Gewinnwarnung veranlasst. Hier sind die Kosten von drei Großprojekten so aus dem Ruder gelaufen, dass der Bereich Industrial Solutions nicht wie vor einem Quartal angekündigt mit Gewinn, sondern mit einem Verlust von 213 Millionen Euro abschloss. Insgesamt beliefen sich die Mehraufwendungen auf rund 200 Millionen Euro. Konzernchef Guido Kerkhoff will die bereits eingeleitete Sanierung in diesem Geschäftsbereich nun noch entschlossener umsetzen.

Die Probleme werden bis auf das Konzernergebnis im gesamten Geschäftsjahr durchschlagen, das im September endet. Operativ ist nur ein bereinigter Gewinn von 1,8 Milliarden Euro drin, wie Thyssenkrupp bestätigte. Das sind etwa 10 Prozent weniger, als Analysten dem Konzern bis dato im Schnitt zugetraut hatten. Unter dem Strich soll das Ergebnis aber deutlich besser ausfallen als im Vorjahr.

Kerkhoff will Strategie fortsetzen

Thyssenkrupp-Chef Kerkhoff sagte in einer Telefonkonferenz mit Journalisten, dass er die Strategie seines Vorgängers Heinrich Hiesinger fortsetzen und dabei den Industriekonzern in der bestehenden Struktur fortentwickeln will. Der Aufsichtsrat habe ihm das Mandat gegeben, "den bisherigen Weg bis auf weiteres fortzusetzen - mit allen Geschäften unter einem Dach". Die bisherige Performance bezeichnete er allerdings als nicht ausreichend. Mit Sparmaßnahmen in der Verwaltung und gezielten Verbesserungen in den einzelnen Geschäftsfeldern will er gegensteuern. Kerkhoff hat dazu allen Sparten konkrete Ziele gesetzt.

Kerkhoffs Vorgänger Hiesinger war im Streit um die richtige Strategie bei Thyssenkrupp Ende Juni zurückgetreten. Einige Aufsichtsratsmitglieder hatten den Fusionsvertrag für das Stahl-Joint-Ventures nicht mitgetragen und die Konditionen dabei als zu schlecht für den Essener Konzern kritisiert. Wegen mangelnder Unterstützung im Kontrollgremium warf Hiesinger anschließend das Handtuch.

Kerkhoff dagegen ist mit einem einstimmigen Votum des Aufsichtsrates als Vorstandschef bestimmt worden, wie Thyssenkrupp jetzt erklärte. Gegenwärtig wird in einem strukturierten Prozess ein dauerhafter Konzernchef gesucht. Ob und unter welchen Bedingungen er für dieses Amt zur Verfügung stünde, wollte der Manager nicht beantworten. An Spekulationen um die künftige Konzernführung beteilige er sich nicht, sagte er.

MBI/DJN/kri/9.8.2018

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