09.11.2018 - Neue Erkenntnisse in Kartellermittlungen - Thyssenkrupp warnt vor geringerem Gewinn

Mutmaßliche Kartellabsprachen in der Vergangenheit bei Grobblech und Qualitätsflachstahl verhageln dem Industrie- und Stahlkonzern Thyssenkrupp das Geschäftsjahr. In den laufenden Ermittlungen des Bundeskartellamts hätten sich neue Entwicklungen ergeben, so dass "erhebliche nachteilige Auswirkungen auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Konzerns" nicht ausgeschlossen werden könnten, teilte die Thyssenkrupp AG mit. Zudem führte Thyssen auch operative Entwicklungen als Grund für die Gewinnwarnung an.

Gewinnerwartung drittelt sich fast

Der Jahresüberschuss 2017/18 soll jetzt nur noch rund 100 Millionen Euro erreichen. Bislang hatte Thyssen unter dem Strich ein besseres Ergebnis als im Vorjahr erzielen wollen. 2016/17 hatte Thyssen noch einen Jahresüberschuss von 271 Millionen Euro erzielt, auch das war damals schon ein Minus von 24 Prozent.

In dem Kartellverfahren besteht insbesondere der Verdacht von Absprachen bei der Festlegung von Zu- und Aufschlägen bei Stahlpreisen. Thyssenkrupp nimmt diese Angelegenheit nach eigenem Bekunden sehr ernst und hat mit externer Unterstützung eine eigene interne Untersuchung der Vorgänge vorangetrieben. Aufgrund der "neuen Entwicklungen" im Ermittlungsverfahren sei nun Vorsorge durch eine Rückstellung getroffen worden. Das bedeutet, dass Thyssen in dem seit Jahren laufenden Verfahren inzwischen nun mit einer höheren Wahrscheinlichkeit davon ausgeht, dass der Konzern mit einem Bußgeld belegt wird. In einem Brief an die Mitarbeiter schreibt Thyssen, es handele sich bei den Kartellvorwürfen um "Altfälle". Die handelnden Personen würden nicht mehr in ihren Verantwortungsbereichen arbeiten bzw hätten das Unternehmen verlassen.

Auch operative Probleme

Thyssen hatte im Geschäftsjahr aber nicht nur mit dem "Altfall" des Kartellverfahrens zu kämpfen, der nur das Nettoergebnis belastet. Auch operativ warnte der Konzern vor einem um 200 Millionen Euro niedrigeren Gewinn. So gebe es Risiken aufgrund von "Qualitätsthemen" im Geschäftsbereich Components Technology. Auch hier bildet Thyssen deshalb eine Risikovorsorge. Zudem führte Thyssen noch Einschränkungen in Produktion und Versand im vierten Quartal bei Steel Europe und dem im vierten Quartal unter den Erwartungen liegenden Ergebnis bei Elevator Technology als Grund für die Gewinnwarnung an. Die Probleme dort hatten sich bei den Neunmonatszahlen bereits angedeutet.

Thyssen erwartet deshalb jetzt nur noch ein bereinigtes EBIT von 1,6 Milliarden Euro im Geschäftsjahr per Ende September. Bislang hatten der Konzern aus Duisburg und Essen ein bereinigtes operatives Ergebnis von 1,8 Milliarden Euro in Aussicht gestellt.

An der Börse kam die Gewinnwarnung nicht gut an. Im Parketthandel brach die Thyssen-Aktie am Abend um 5 Prozent ein.

Den Konzernabschluss des Geschäftsjahres 2017/2018 will Thyssen wie geplant am 21. November 2018 veröffentlichen.

MBI/DJN/kri/9.11.2018

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