03.12.2019 - Aktionäre stimmen für Kapitalerhöhung - Sanierung von S+B kann beginnen

Die Aktionäre haben der geplanten Kapitalerhöhung bei Schmolz + Bickenbach (S+B) um mindestens 325 Millionen Schweizer Franken zugestimmt. Eine Insolvenz konnte somit verhindert werden. Um dies zu erreichen mussten sich die beiden größten Aktionäre, Amag-Chef Martin Haefner und der russische Unternehmer Viktor Vekselberg mit der Liwet Holding, zu einem Kompromiss durchringen. Wie S+B mitteilte, ist das Angebot von Martin Haefner nicht mehr davon abhängig, dass Liwet von der Zuteilung der nicht ausgeübten Bezugsrechte im Rahmen der geplanten Kapitalerhöhung ausgeschlossen wird. Gleichzeitig habe Liwet signalisiert, sich mit einem erheblichen Betrag an der Kapitalerhöhung zu beteiligen. Das Vorhaben wurde bei der außerordentlichen Generalversammlung von den Aktionären mit 79,3 Prozent der vertretenen Stimmen angenommen. "Aufgrund dieses positiven Ergebnisses sind wir zuversichtlich, dass wir den Refinanzierungsprozess in den nächsten Wochen erfolgreich abschließen werden“, sagte Verwaltungsratspräsident Jens Alder.



Haefner darf im Rahmen der Kapitalerhöhung seinen Anteil von 17 Prozent auf maximal 37,5 Prozent ausbauen. Im Gegenzug erreichte Liwet, dass ihre Beteiligung von 26,91 Prozent nicht unter 25 Prozent fällt. Mit dieser "konstruktiven Lösung im Interesse aller Beteiligten" werde es möglich, eine gründliche Analyse des Unternehmens vorzunehmen, erklärte Liwet. Insbesondere könne geprüft werden, wie bei dem schweizerischen Speziallangstahlhersteller betriebliche Prozesse optimiert, Bestände reduziert oder der Verkauf von Randaktivitäten eingeleitet werden könnte.



"Aber die Sanierung des angeschlagenen Konzerns hat damit erst begonnen", kommentiert die Neue Zürcher Zeitung (NZZ): "Damit die Kapitalmarkttransaktion nicht Schiffbruch erlitt, musste Haefner seine Ambitionen zurückschrauben, auf einen Schlag günstig die Kontrolle über S+B zu erlangen. Er konnte den anderen Ankeraktionär nicht so einfach herausdrängen wie gedacht. (...) Die Vekselberg-Seite wird auch nach der Kapitalerhöhung zusammen mit der Erbenfamilie, die derzeit gut 10 Prozent kontrolliert (...), über eine Sperrminorität verfügen. Damit die Transaktion durchging, musste Haefner nicht nur seinen Machtanspruch zurücknehmen, sondern auch seinen finanziellen Einsatz erhöhen."



Viel unternehmerischen Spielraum wird S+B durch die Kapitalerhöhung nicht erhalten. Die frischen Mittel sollen vorwiegend dem Abbau einer sehr hohen Nettoverschuldung dienen sowie der Stärkung des Eigenkapitals. "Für den laufenden Betrieb bleibt wohl kaum etwas übrig. Bestenfalls verlässt der Patient S+B den Notfall", schreibt die NZZ. Die strukturellen Probleme - schwache Nachfrage seitens der Automobilbranche und des Maschinenbaus - bleiben bestehen.



S+B werde weitere Informationen über die Kapitalerhöhung geben, sobald die Finanzmarktaufsicht Finma ihren Entscheid über die von Martin Haefner und Liwet eingereichten Beschwerden gegen die Ablehnung einer Sanierungsbefreiung der Übernahmekommission von der Pflicht zur Abgabe eines Übernahmeangebots im Zusammenhang mit der geplanten Kapitalerhöhung veröffentlicht habe, teilte das Stahlunternehmen mit. Die Finma wird ihren Entscheid demnach voraussichtlich bis Montag, 9. Dezember, vor Handelsbeginn veröffentlichen.

MBI/gil/3.12.2019

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