11.06.2018 - Nach G7-Eklat - Deutsche Ökonomen warnen vor Handelskrieg

Nach dem historischen Eklat auf dem G7-Gipfel warnen führende deutsche Ökonomen vor einer Verschärfung des Handelskonflikts mit den USA. "Der Gipfel hat uns insgesamt einer Eskalation des Handelskrieges einen Schritt näher gebracht", sagte der Chef des Münchner Ifo-Instituts Clemens Fuest der "Augsburger Allgemeinen" (Montagausgabe). "Der G7 Gipfel bestätigt, dass Donald Trump an Zusammenarbeit mit Amerikas Alliierten nur noch sehr begrenztes Interesse hat", erklärte der Ifo-Chef: "Die Rücknahme der Abschlusserklärung per Tweet legt den Schluss nahe, dass die US-Administration reichlich desorganisiert ist und Trump impulsiv handelt und kaum berechenbar ist".



Er betonte, dass der US-Präsident Fehlinformationen verbreite, wenn er behaupte, europäische Unternehmen würden mehr in den USA verdienen als umgekehrt. "Das stimmt nicht", sagte Fuest: "2017 hatten die USA gegenüber der EU einen Handelsbilanzüberschuss von 14 Milliarden Dollar". Bei Dienstleistungen und Unternehmensgewinnen erzielten die USA einen Überschuss, der das Defizit beim Warenhandel mehr als ausgleiche.



Der Chef des Hamburgisches Weltwirtschaftsinstitut HWWI, Henning Vöpel, warnte vor verheerenden Folgen eines Handelskriegs: "Mit seiner bewusst verstörenden Art bringt Trump die Weltgemeinschaft an den Abgrund", sagte Vöpel der Zeitung. Er zeigte sich aber skeptisch, wie dauerhaft die Geschlossenheit der anderen G7 gegen diese Strategie der Destabilisierung sei: "Von Europa ist vermutlich nicht viel zu erwarten". Der Brexit und die politische Instabilität in Italien lassen nichts Gutes erahnen.



Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher, kann dem Eklat dagegen sogar etwas Positives abgewinnen: "Ich sehe es als extrem wichtig und positiv, dass die anderen sechs Industrieländer nun ein gemeinsames Signal des Widerstands gegen den US-Protektionismus gesetzt haben", betonte er.

MBI/DJN/gil/11.6.2018

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