12.02.2018 - Für Elektroautoproduktion - BMW sichert Kobaltbedarf langfristig ab

BMW sichert sich wichtige Rohstoffe für die Produktion von Elektroautos. Für die nächsten zehn Jahre hat der Münchener Autobauer langfristige Verträge über die Lieferung von Kobalt und Lithium abgeschlossen. Das bestätigte ein Unternehmenssprecher gegenüber MBI NE-Metalle Aktuell. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hatte zuerst darüber berichtet. Allerdings korrigierte der Sprecher eine Information der FAZ: Diese hatte berichtet, dass die Mengen an Kobalt, die sich BMW über einen Zeitraum von mindestens zehn Jahren gesichert hat, auf über mehr als 100.000 Tonnen belaufen könnten. "Die tatsächlich abgesicherte Menge liegt weit darunter", so der Sprecher. Damit ist BMW offenbar das gelungen, woran Volkswagen gescheitert ist - die Wolfsburger haben vergeblich versucht, ihren Kobaltbedarf langfristig abzusichern.

Konkrete Angaben zu Mengen und Preisen wollte er nicht machen, ebenso wenig wie zu den Kobalt- und Lithiumlieferanten von BMW. Das Rennen um den begehrten Rohstoff hat die Preise in die Höhe getrieben. Der Kobaltpreis an der London Metal Exchange liegt aktuell bei rund 81.000 US-Dollar pro Tonne - vor einem Jahr waren es 40.000 Dollar. Und nach Einschätzung von Analysten ist nach oben noch Luft: "Wir erwarten zum Jahresende 2018 einen Kobaltpreis von 100.000 Dollar je Tonne", sagte Caroline Bain von Capital Economics zu MBI-Metalle Aktuell. Die weltweite Jahresproduktion liegt nach Auskunft der Analystin bei 300.000 Tonnen. Das ist nicht viel, wenn man sich die Mengen anschaut, die allein Volkswagen benötigt: Laut Medienberichten braucht der Konzern für die Produktion von Elektroautos in den kommenden sieben Jahren bis zu 130.000 Tonnen Kobalt. Im Jahr 2025 sollen bei VW drei Millionen E-Autos von den Bändern laufen.

Da ein Großteil des Kobalts aus der Demokratischen Republik Kongo (DRK) kommen dürfte - das Land ist der weltweit größte Produzent dieses Metalls -, stellt sich die Frage nach den Produktionsbedingungen. Laut Menschenrechtsorganisationen herrschen in den kongolesischen Minen teilweise miserable Arbeitsbedingungen, Kinderarbeit ist weit verbreitet. Amnesty International hat im vergangenen Jahr die Kobalt-Lieferketten großer Elektronik- und Automobilhersteller untersucht und kam zu dem Ergebnis, dass die Konzerne nicht genug täten, um die Missstände zu beseitigen.

BMW wird in der Amnesty-Studie allerdings bescheinigt, bei der Überprüfung seiner Kobalt-Lieferkette Fortschritte gemacht zu haben. Unter den Herstellern von Elektrofahrzeugen lägen die Münchener damit vorn. "BMW engagiert sich gemeinsam mit anderen Unternehmen und Organisationen, der Regierung der Demokratischen Republik Kongo und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in der Responsible Cobalt Initiative. Deren Ziel liegt in der Schaffung einer deutlich höheren Transparenz in der Lieferkette von Kobalt, von der Gewinnung über den Transport und die Verarbeitung bis hin zum Verkauf", sagte der BMW-Sprecher. Außerdem prüfe man im Rahmen einer Machbarkeitsstudie, inwiefern die soziale und ökologische Situation im Kleinbergbau in der DRK verbessert werden kann.

Samsung will Abhängigkeit vom Kongo verringern

Die Abhängigkeit von der DRK bereitet den Kobalteinkäufern zunehmend Kopfschmerzen. So wird bereits nach anderen Bezugsquellen gesucht. Beispiel Samsung: Die Tochtergesellschaft Samsung SDI plant, Kobalt aus gebrauchten Mobiltelefonen wiederzuverwerten. SDI ist ein Batteriehersteller, der auch Autobauer wie VW und BMW mit Elektrobatterien versorgt. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg will sich SDI an einem ungenannten Recyclingunternehmen beteiligen - Ziel ist es, sich langfristig mit Kobalt einzudecken.

Das Potenzial ist enorm: Die Muttergesellschaft Samsung Electronics produziert pro Jahr hunderte von Millionen Handys, in denen unter anderem auch Kobalt verbaut ist. Nach Angaben des Unternehmens lassen sich allein aus den rund drei Millionen Handys des Galaxy Note 7, das vor einem Jahr wegen Explosionsgefahr vom Markt genommen wurden, 157 Tonnen Kobalt, Kupfer und andere mineralische Rohstoffe gewinnen.

Mark Krieger

MBI/kri/12.2.2018

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