09.01.2018 - UPDATE / Ausfuhren legen zu - Deutsche Produktion und Exporte im November stark

Die Produktion im produzierenden Sektor Deutschlands hat sich im November weitaus besser als erwartet entwickelt, wodurch Produktionsrückgänge in den beiden Vormonaten mehr als ausgeglichen wurden. Zudem deutet ein kräftiger Anstieg der Exporte darauf hin, dass die Auslandsnachfrage nach deutschen Produkten ungeachtet des stärkeren Euro hoch bleibt. Volkswirte rechnen vor diesem Hintergrund mit einem starken vierten Quartal und einem guten konjunkturellen Start ins neue Jahr.



Nach Mitteilung des Statistischen Bundesamts (Destatis) stieg die Produktion gegenüber dem Vormonat um 3,4 Prozent. Die von Dow Jones Newswires befragten Volkswirte hatten einen Zuwachs von lediglich 1,9 Prozent prognostiziert. Den zunächst für Oktober gemeldeten Produktionsrückgang von 1,4 Prozent revidierte Destatis zudem auf 1,2 Prozent. Ihr Vorjahresniveau überstieg die Produktion arbeitstäglich bereinigt um 5,6 (Oktober: 2,8) Prozent.



"Wir liegen im vierten Quartal jetzt um 0,6 Prozent über dem dritten Quartal", sagte Alexander Krüger, Chefvolkswirt des Bankhauses Lampe. Die starke Produktion bei anhaltend hohen Auftragsbeständen gebe nun Sicherheit, dass Deutschland vor einem guten Winterhalbjahr stehe. Krüger erwartet für das vierte Quartal einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,6 Prozent. Im dritten Quartal hatte das BIP um 0,8 Prozent zugelegt.



Industrieproduktion legt um 4,3 Prozent zu



Die Industrieproduktion im engeren Sinne erhöhte sich im November um 4,3 (Oktober: minus 1,9) Prozent, wobei die Erzeugung von Investitionsgütern um 5,7 (minus 2,6) Prozent stieg, darunter die Produktion von "Kraftwagen und Kraftwagenteilen" um 11,3 Prozent. Die Produktion von Vorleistungsgütern nahm um 3,0 (minus 0,7) Prozent zu und die von Konsumgütern um 3,6 (minus 2,6) Prozent. Die Bauproduktion stieg um 1,5 (minus 1,1) Prozent, während die Energieerzeugung um 1,5 (plus 5,2) Prozent abnahm.



Stark zeigte sich im November auch die Außenwirtschaft. Der saisonbereinigte Handelsbilanzüberschuss stieg auf 22,3 (19,9) Milliarden Euro, erwartet worden waren 21,0 Milliarden. Ausschlaggebend war ein Anstieg der Exporte gegenüber dem Vormonat um 4,1 Prozent bei nur 2,3 Prozent höheren Einfuhren. "Wir werden im vierten Quartal wieder einen Wachstumsbeitrag der Nettoexporte sehen, wenn auch keinen so hohen wie im dritten Quartal", sagte Alexander Krüger.



Nach Einschätzung von ING-Diba-Chefvolkswirt Carsten Brzeski ist die sehr gute Entwicklung von Industrieproduktion und Ausfuhren im November weitere Anhaltspunkte dafür, dass die Aufwertung des Euro seit April 2017 bisher keine negativen Auswirkungen hat. "Die geografische Diversität der deutschen Ausfuhren scheint der Schlüssel zum Erfolg zu sein", schrieb Chefvolkswirt Carsten Brzeski in einem Kommentar.



Brzeski verwies auf die Exporte in die östlichen Nachbarländer - nach Ungarn, Polen und Tschechien exportiere Deutschland inzwischen ebenso viel wie in die Niederlande, nach Belgien und Luxemburg, und auch die Ausfuhren nach China hätten sich wieder erholt. Die USA blieben wichtigster einzelner Handelspartner, während die Bedeutung Großbritanniens abnehme.



Unicredit sieht nach den starken Produktions- und Außenhandelsdaten für November Aufwärtsrisiken für die Prognose des deutschen Wirtschaftswachstums 2017. "Wir erwarten 2,2 Prozent Wachstum, aber nach den unerwartet guten Daten an diesem Morgen haben sich die Aufwärtsrisiken erhöht", schrieb Volkswirt Andreas Rees in einem Kommentar. Er fügte hinzu: "Ein Plus von 2,3 Prozent ist inzwischen eine reale Möglichkeit."

MBI/DJN/gil/9.1.2018

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