11.06.2019 - Pläne für alternative Banken-Messgröße: Ratingagentur Scope sieht Erleichterung für große Fusionen in EU

BERLIN -- Die Ratingagentur Scope betrachtet die geplante Schaffung einer alternativen Messgröße der systemischen Wichtigkeit von Banken in der EU als Versuch, die Fusion von Großbanken zu erleichtern. Scope verweist darauf, dass die Bankenaufsicht Eba im Rahmen des kürzlich verabschiedeten Bankenpakets den Auftrag erhalten habe, einen derartigen Indikator zu schaffen, der nur innerhalb der EU gilt.

Eine Schlüsselgröße bei der Beurteilung der systemischen Bedeutung eines Instituts sind seine grenzüberschreitenden Forderungen und Verbindlichkeiten, weil diese eine Abwicklung der Bank erschweren. "Da es aber nun einen gemeinsamen Ansatz in der EU für die Abwicklung gibt, geht man richtigerweise davon aus, dass Banken nicht für ihre Aktivitäten innerhalb der EU bestraft werden sollten", schreibt Bankanalystin Pauline Lambert in einer Analyse.

Die alternative Messgröße der systemischen Bedeutung soll nur intern zur Bemessung zusätzlicher Kapitalpuffer für systemisch wichtige Großbanken - in EU-Diktion G-SII - verwendet werden. Das bedeutet laut Lambert, dass sich künftig die G-SII-Puffer der EU und die G-SIB-Puffer des FSB unterscheiden können.

Ihrer Einschätzung nach könnten die G-SII-Puffer etwas niedriger ausfallen, wodurch Eigenkapitalüberlegungen bei Fusionen innerhalb der EU künftig eine geringere Rolle spielen würden. Nach Lamberts Einschätzung lösen Fusionen alleine zwar nicht die Probleme des europäischen Bankensektors, aber: "Die Politik will sicherstellen, dass die Regulatorik möglichen Fusionen nicht im Wege steht, die zu einem einheitlicheren Bankensystem beitragen könnten", so die Analystin.

MBI/DJN/hab/sha/11.6.2019

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