10.04.2019 - Internationales Forschungsprojekt: Erste Bilder eines schwarzen Lochs präsentiert

BRÜSSEL -- Schwarze Löcher im Weltraum, in denen Masse verglüht, sind ein schwer zu beschreibendes und verstehendes Phänomen. Doch für die Wissenschaft sind sie jetzt eine Realität. Denn es gibt nun die ersten Aufnahmen eines schwarzen Lochs. Sie wurden am Mittwoch von einem internationalen Wissenschaftlerteam parallel an sechs verschiedenen Orten auf der ganzen Welt präsentiert, darunter Brüssel. Einige der an dem Kooperationsprojekt „Event Horizon Telescope“ beteiligten Wissenschaftler sind durch das EU-Forschungsprogramm unterstützt worden.

Die Beobachtungen bestätigten "extrem gut" die Theorie und die Aussagen der von Albert Einstein vor gut 100 Jahren entwickelten Allgemeinen Relativitätstheorie und die jüngsten Simulationen von schwarzen Löchern, sagte Luciano Rezzolla, einer der beteiligten Forscher von der Goethe-Universität Frankfurt. Dadurch sei ein "mathematisches Konzept zu einem realen Objekt geworden", das nun weiter beobachtet und erforscht werden könne. Einige alternativen Erklärungsversuche zu schwarzen Löchern könnten nun bereits ausgeschlossen werden. Die auf den Bildern zu sehende größere Helligkeit des um das Zentrum herum liegenden Plasma zeige, dass das System rotiere, sagte Monika Moscibrodzka von der Universität Nijmegen. Man hoffe, mit den Riesenteleskopen schwarze Löcher künftig auch filmen und ihr Verhalten so besser untersuchen zu können. Die Forscher erwarten sich allgemein neue Möglichkeiten zur Erforschung von Magnetfeldern.

„Die Wissenschaft wird oft durch Fiktionen inspiriert und schwarze Löcher spuken schon lange in unseren Träumen herum und regen unsere Neugier an“, sagte EU-Forschungskommissar Carlos Moedas. „Dank des Beitrags europäischer Wissenschaftler ist die Existenz schwarzer Löcher von heute an nicht mehr nur ein theoretisches Konzept. Diese beeindruckende Entdeckung zeigt einmal mehr, wie die Zusammenarbeit mit Partnern in der ganzen Welt dazu führen kann, dass das Undenkbare möglich wird und der Horizont unseres Wissens sich weiter vergrößert“, sagte Moedas.

Bei einem schwarzen Loch handelt es sich um eine auf winzigstem Raum im Weltall konzentrierte unvorstellbar große Menge an Masse. Diese Konzentration hat enorme Auswirkungen auf die Umgebung, denn sie zieht alles Material an, das in die Nähe des Phänomens gelangt und überhitzt es. Auch Licht- oder Radiowellen können die Umgebung nicht mehr verlassen, nachdem sie der Masse erst einmal nahe genug gekommen sind. Selbst die von Einstein beschriebene Raumzeit - die Vereinigung des dreidimensionalen Raums mit der Zeit - kann von einer so großen Masse gekrümmt werden, heißt es auf der Internetseite der Max-Planck-Gesellschaft. Belege für entsprechende Theorien von Physikern lieferten demnach 2015 in den USA gemessene Gravitationswellen. Die nun präsentierten Bilder sind ein weiterer wichtiger Schritt für die Forscher.

Das beobachtete schwarze Loch, oder besser sein "Schatten", wurde im Zentrum von „Messier 87“ aufgenommen, einer Riesengalaxie im Sternbild Jungfrau. Es ist 55 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt und seine Masse 6,5 Milliarden Mal größer als die unserer Sonne, so die EU-Kommission. Damit die unmittelbare Umgebung des Loches beobachtet werden konnte wurde ein weltweites Netzwerk von acht Teleskopen in extremen Höhenlagen aufgebaut. In Europa ist ein Standort die spanische Sierra Nevada, auch auf Vulkanen in Mexiko und auf Hawaii, in den Bergen von Arizona, in der chilenischen Atacama-Wüste und in der Antarktis stehen Teleskope.

Die EU hat über den Europäischen Forschungsrat (European Research Council - ERC) den Aufbau der Teleskopinfrastruktur mit finanziert und etwa das weltweite Projekt „RadioNET“ in den vergangenen 15 Jahren mit 30,3 Mio. Euro gefördert. Koordiniert wird RadioNET vom Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn. „Der mutige Ansatz der EU, solche wegweisende Grundlagenforschung zu finanzieren“, mündet einmal mehr in eine Erfolgsgeschichte“, sagte Jean-Pierre Bourguignon, Präsident des Europäischen Forschungsrates, zu den nun präsentierten Aufnahmen.

14 Mio. Euro hat die EU in das Projekt „BlackholeCam“ gesteckt, an dem seit 2014 drei leitende europäische Wissenschaftler mit ihren Teams an der Erforschung schwarzer Löcher arbeiten: Michael Kramer vom Max-Planck-Institut für Radioastronomie Bonn, Luciano Rezzolla von der Goethe-Universität Frankfurt und Heino Falcke von der Radboud-Universität Nijmegen.

MBI/fra/10.4.2019

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