03.12.2019 - Ansicht der EZB-Kandidatin Schnabel: Jüngste geldpolitische Lockerung war gerechtfertigt

BRÜSSEL -- Die deutsche Kandidatin für das Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB), Isabel Schnabel, hat die im September beschlossene geldpolitische Lockerung prinzipiell verteidigt, aber Zweifel an der Notwendigkeit neuer Nettoanleihekäufe angemeldet. Bei ihrer Anhörung vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europäischen Parlaments sagte Schnabel am Dienstag außerdem, dass die anstehende Strategiediskussion auf die Nebenwirkungen der Geldpolitik und auf den Klimawandel eingehen müsse.

"Diese Entscheidungen waren sicherlich gerechtfertigt, aber es ist nicht zu leugnen, dass die EZB nun vor wichtigen Herausforderungen steht, unter anderem den Nebenwirkungen ihrer Geldpolitik", sagte die Bonner Ökonomin. Schnabel könnte am 1. Januar 2020 anstelle der zurückgetretenen Sabine Lautenschläger Mitglied des EZB-Direktoriums werden.

Schnabel räumte auf Nachfrage ein, dass sie sich in einem Zeitungsinterview weniger positiv zu den September-Beschlüssen geäußert habe. Dies habe sich auf den Beschluss des Rats bezogen, die Nettoanleihekäufe wieder aufzunehmen. "Ich hätte mit den Ankäufen wohl gewartet, denn ich war nicht überzeugt, dass das schon notwendig war, aber nichtsdestoweniger sind auch diese Käufe vom EZB-Mandat gedeckt", sagte sie.

Schnabel äußerte die Hoffnung, dass die im September gefassten Beschlüsse ausreichten, die Inflation mittelfristig zu ihrem Zielbereich von unter, aber nahe 2 Prozent zu bringen. "Die Daten waren zuletzt nicht so schlecht, in Deutschland ist es nicht zu einer technischen Rezession gekommen, und ich denke, man kann optimistisch sein, dass die Eurozone nicht in eine Rezession fällt." Sie sei zuversichtlich, dass das Inflationsziel mittelfristig erreichbar sei, "auch wenn wir gelernt haben, dass das länger als erwartet dauern kann".

Schnabel forderte, die Sorgen über die Fragilität des Finanzsystems ernst zu nehmen. "Ich selbst bin sehr besorgt über die Auswirkungen der Geldpolitik für die Finanzstabilität", sagte sie. Schnabel verwies auf hoch bewertete Vermögenswerte, vor allem im Immobilienbereich. Diese Herausforderungen müssten aber "vor allem" mit makroprudenziellen Instrumenten angegangen werden.

Im September hatte Schnabel bei einer Konferenz in Frankfurt Zweifel an der Wirksamkeit makroprudenzieller Instrumente geäußert, weil diese auf nationaler Ebene oft zu spät implementiert würden und die EZB selbst zu wenig Druck auf die Länder mache. "Das Problem ist, dass die Preisstabilität im Mandat der EZB einen klaren Vorrang vor der Finanzstabilität hat", sagte sie und fügte hinzu: "Wir müssen darüber reden, ob die Geldpolitik nicht mehr Rücksicht auf die Finanzstabilität nehmen muss."

Zur Rolle der Zentralbanken bei der Bekämpfung des Klimawandels sagte Schnabel, über die Art und Weise des Beitrags der EZB müsse in der anstehenden Strategiediskussion geredet werden.

MBI/DJN/hab/smh/3.12.2019

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