10.08.2018 - Erstes Halbjahr/Innogy büßt vor Übernahme an Gewinn ein

Der vor der Übernahme stehende Energiekonzern Innogy hat im ersten Halbjahr deutlich weniger verdient. Der Gewinn (bereinigtes Nettoergebnis) fiel gegenüber den ersten sechs Monaten des Vorjahres um 23 Prozent auf 662 Millionen Euro, wie der Versorger mitteilte. Hauptgründe dafür seien der Wegfall von positiven Einmaleffekten, höhere Rohstoffkosten sowie geringere Renditen im Gasnetzgeschäft. Der Umsatz sank um 4,8 Prozent auf 20,6 Milliarden.

Der Betriebsgewinn vor Zinsen und Steuern (bereinigtes EBIT) gab von 1,725 auf 1,55 Milliarden nach. Das Unternehmen bekräftigte dennoch seine Prognose für 2018. Im Gesamtjahr soll ein Gewinn von über 1,1 Milliarden Euro eingefahren werden. Der Vorstand will außerdem ein bereinigtes EBIT von rund 2,7 Milliarden erreichen.

Zwischen Januar und Juni erhöhte der Stromkonzern die Verschuldung um 2,3 Milliarden auf 18 Milliarden Euro. Ursächlich dafür sind laut Halbjahresbericht die Gewinnausschüttung im April sowie der saisonbedingt regelmäßig negative Free Cash Flow im ersten Halbjahr. Während der Strom- und Gasabsatz zu Beginn des Jahres saisonbedingt überdurchschnittlich hoch ist, verteilen sich die Zahlungen der Kunden gleichmäßig über das Jahr.

Zum Rückgang des Betriebsgewinns trugen alle Bereiche des Unternehmens bei. Das regulierte Geschäft mit Energienetzen wurde von der durch die Bundesnetzagentur gesenkten Rendite auf Gasleitungen belastet. Mit einem EBIT von etwas mehr als 1 Milliarde steht es trotz eines Rückgangs um 3 Prozent für zwei Drittel des operativen Ergebnisses. Der Vertrieb büßte hingegen ein Fünftel seines operativen Gewinns ein, der auf 475 Millionen Euro absackte. Finanzvorstand Bernhard Günther sprach von einem immer härteren Wettbewerb. Die britische Tochter NPower schrieb weiter Verluste. Die eingeleitete Abspaltung und Verschmelzung mit dem schottischen Versorger SSE liege im Zeitplan und soll Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres abgeschlossen werden. Die Erneuerbaren-Sparte, die auf ein EBIT von 167 Millionen Euro kam und damit knapp 7 Prozent schwächer war, hatte mit ausbleibenden Winden in Großbritannien zu kämpfen.

Innogy soll nach den Plänen zur Neuordnung der deutschen Energiebranche zunächst von Eon übernommen und danach zerschlagen werden. Eon erhält die Netze, den Vertrieb und damit 40.000 neue Mitarbeiter. Die Innogy-Mutter RWE gliedert hingegen das Grünstromsegment mit rund 3.000 Beschäftigten wieder ein und erhält noch die Erneuerbaren-Sparte von Eon hinzu. Schließlich soll RWE mit Abschluss des Ringtauschs Ende 2019 mit knapp 17 Prozent an Eon beteiligt werden.

Die Unternehmenschefs haben mit den Gewerkschaften und Betriebsräten vereinbart, bei der Aufteilung und anschließenden Integration des Unternehmens auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten. Jüngst war Eon damit gescheitert, die nötige Mehrheit für einen Squeeze-Out der Innogy-Minderheitenaktionäre zu erreichen. Investmentfonds setzen auf eine Aufstockung der Offerte, was Finanzvorstand Marc Spieker aber am Mittwoch noch einmal ausgeschlossen hat.

MBI/DJN/map/10.8.2018

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