16.04.2018 - UN-Organisation IMO will CO2-Emissionen von Schiffen bis 2050 halbieren

Was die Industrie als beispiellosen Durchbruch feiert, geht Umweltschützern nicht weit genug. Zwar wollen die 173 Mitgliedstaaten der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (IMO) die CO2-Emissionen der internationalen Schifffahrt bis 2050 im Vergleich mit 2008 halbieren. Der in zweiwöchigen Verhandlungen erzielte Kompromiss ist nach unseren Informationen jedoch relativ zahnlos. Denn die anfängliche Strategie ist für die IMO-Mitglieder rechtlich nicht bindend, eine finale Strategie der IMO wird nicht vor 2023 erwartet. Zwar wurde in London erstmals eine Strategie zur Verringerung von Treibhausgasen in der Schifffahrt verabschiedet, aber die konkreten Schritte bleiben zunächst vage. Experten gehen davon aus, dass die Reduktionsmaßnahmen für 2050 eigentlich noch strenger gefasst werden müssten. Um Schiffe ohne negative Umweltbelastung vom Stapel zu lassen, seien zudem rasche technologische Fortschritte notwendig. Das Ziel sei eine Kombination aus Elektrizität (Batterien), erneuerbaren Treibstoffen auf Wasserstoff-Basis und Bioenergie statt fossilen Treibstoffen.

Derzeit liegt der Anteil der internationalen Seeschifffahrt an den globalen CO2-Emissionen bei 2 bis 3 Prozent. Die Mitgliedstaaten der EU sowie die Marshall Inseln als zweitgrößtes Schiffsregister hatten sich für eine Drosselung der Schiffsemissionen um 70 bis 100 Prozent ausgesprochen. Ländern wie den USA, Saudi-Arabien, Brasilien und Panama ging diese Forderung zu weit. Dennoch bezeichnete die EU-Kommission das Abkommen als wichtigen Schritt für den internationalen Klimaschutz. Transport-Kommissarin Violeta Bulc und Energie- und Klimaschutzkommissar Miguel Arias Cañete dringen darauf, dass die Schifffahrt sich an den allgemeinen Klimaschutzbemühungen beteiligt. “Es ist nun entscheidend, dass effektive Reduktionsmaßnahmen rasch ausgearbeitet und bis 2023 umgesetzt werden. Auch die Vorbereitungen für die langfristigen Maßnahmen sollten in Angriff genommen werden", sagten Bulc und Cañete in einem gemeinsamen Statement. IMO-Generalsekretär Kitack Lim bezeichnete den Kompromiss als solide Grundlage für die künftige Arbeit des Verbandes zum Klimaschutz. Der Generalsekretär des Schifffahrtverbandes ICS, Peter Hinchliffe, sprach von einer "bahnbrechenden Vereinbarung, einem Pariser Abkommen für die Schifffahrt". Die Schifffahrt und die Luftfahrt waren von dem Pariser Klimaschutzabkommen ausgenommen worden.

Die Weltgemeinschaft hatte sich Ende 2015 das Ziel gesetzt, die globale Erderwärmung auf deutlich unter 2 Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen. Die Internationale Zivilluftfahrtorganisation ICAO schloss bereits im Herbst 2016 ein Abkommen zur Verringerung des CO2-Ausstoßes. Laut der Europäischen Klimastiftung ist die Einigung gleichbedeutend damit, dass die meisten neuen Schiffe in den 2030er Jahren mit CO2-freien alternativen Brennstoffen angetrieben werden.

MBI/sir/AFP/16.4.2018

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