10.07.2018 - Studie/Briten empfehlen künstliche Verteuerung von CO2 auf 25 bis 30 Euro

Einen EU-weiten Mindestpreis auf Treibhausgasemissionen, der die Kosten für den Ausstoß von CO2 deutlich verteuert, empfehlen britische Wissenschaftler. 25 bis 30 Euro sollte die Tonne CO2 nach Meinung der Energy Policy Research Group (EPRG) der Cambridge Judge Business School schon kosten, um den Umstieg von Kohle auf Gas bei der Stromproduktion anzuregen. In ihrer Studie, die MBI TradeNews Emissions exklusiv vorliegt, plädieren die Autoren weiters dafür, den CO2-Mindestpreis bis 2030 jährlich zwischen 3 und 6 Prozent weiter anzuheben. Insgesamt könnten mit der künstlichen Verteuerung von CO2 nach Vorbild des englischen Mindestpreises die Treibhausgasemissionen rasch gedrosselt und Investoren Sicherheit bei CO2-armen Technologien gegeben werden. Den Autoren David Newbery, David Reiner und Robert Ritz ist bewusst, dass eine EU-weite Umsetzung ihres Vorschlags im Rahmen des Europäischen Emissionshandelssystems schwierig wird. Einzelstaaten könnten jedoch in einem Zwischenschritt einen Mindestpreis auf CO2-Emissionen erheben, schreiben sie. Beispiele dafür seien das Vereinigte Königreich, das den Mindestpreis seit 2013 nutzt, und die Niederlande, die diesen Schritt planen. Kalifornien und die Regioanl Greenhouse Gas Initiative werden als Beispiele dafür angeführt, wie ein Mindestpreis als Design-Element genutzt werden kann und das Flair einer marktbasierten Drosselung von Emissionen erhalten bleibt. Ein EU-weites Anheben des CO2-Preises für den Energiesektor wäre eine "signifikante Verbesserung des EU-ETS" und würde die Position der EU als Klimaschutzvorreiter stärken. Zudem ließen sich dann die angestrebten CO2-Reduktionsziele leichter erreichen. In Großbritannien sank durch die künstliche Verteuerung von CO2 der Anteil der Kohlekraftwerke von 41 Prozent 2013 auf weniger als 8 Prozent 2017. Die Pläne seien mit der 2019 startenden Marktstabilisierungsreserve kompatibel. Sie steigere sogar den Wert eines Mindestpreises noch, heißt es in der Studie.



EPRG-Direktor Newbery, sein Stellvertreter Reiner und Ritz als Assistant Director empfehlen der EU-Kommission, sich nicht auf dem jüngsten Preisanstieg auszuruhen. Der Benchmark-Kontrakt EUA Dec 2018 verteuerte sich zeitweise auf bis zu 16,70 Euro und kostet aktuell rund 16 Euro je Tonne CO2. Nach einer internen Analyse der EU-Kommission müsste der CO2-Preis bis 2030 auf 32 bis 63 Euro je Tonne CO2 steigen, um "zielkonsistent" zu sein, schreibt das Trio. Die Autoren beklagen, dass die aktuelle Politik vor allem jene Investoren verunsichert, die in CO2-arme Technologien investieren wollen. Ihnen fehle jegliche Art bankfähiger Garantien für einen angemessenen künftigen CO2-Preis. Ein solcher Mindestpreis auf CO2-Emissionen aus der Stromproduktion sei auch nicht wettbewerbsschädigend. Denn anders als etwa Zement oder Stahl werde Strom nicht international über die europäischen Grenzen hinaus gehandelt.



Bislang hat das EU-ETS aus Sicht der Autoren unter dem "Wasserbett-Effekt" zu leiden: wenn ein Land oder ein Sektor alleine seine Emissionen senke, tauchten diese an anderer Stelle wieder auf. Schuld daran ist die EU-weit festgelegte Obergrenze (Cap) für CO2-Emissionen. Die MSR kappt von 2023 an den Zertifikateüberschuss im Markt - mittelfristig werden dann einseitig erzielte Reduktionen bei den Emissionen in allseitige Reduktionen übergehen. "Die MSR wandelt so Maßnahmen wie einen Mindestpreis für CO2 in einen weltweiten Nutzen für das Klima um", sind die Autoren überzeugt.

Silvia Rausch-Becker

MBI/sir/10.7.2018

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