16.04.2018 - Stahlerzeugung mit minimalen Emissionen - Voestalpine startet Bau der weltgrößten Wasserstoffpilotanlage

Die neue Anlage soll ein technologischer Meilenstein auf dem Weg zur Energiewende und damit zur schrittweisen Dekarbonisierung der Stahlindustrie sein. Am Montag hat der Bau der weltgrößten Pilotanlage zur CO2-freien Wasserstoff-Herstellung auf dem Gelände der österreichischen Voestalpine in Linz offiziell begonnen. Die EU fördert das 18-Millionen-Euro-Projekt "H2Future", in dem Einsatzmöglichkeiten von Wasserstoff in den verschiedenen Prozessstufen der Stahlherstellung erforscht werden, zu zwei Dritteln, also mit rund 12 Millionen Euro. Voestalpine, Siemens und Verbund stecken jeweils zwei Millionen Euro in die Linzer Pilotanlage. Viereinhalb Jahre läuft das Projekt, bereits im Frühjahr 2019 soll die Pilotanlage in Vollbetrieb gehen.

Im Februar hatte die EU dem Konsortium, bestehend aus Voestalpine, Verbund und Siemens sowie der Verbund-Netztochter Austrian Power Grid (APG) und den wissenschaftlichen Partnern K1-MET (Kompetenzzentrum für metallurgische und umwelttechnische Verfahrensentwicklung) sowie ECN (Energy Research Centre of the Netherlands), für sein Projekt den Zuschlag erteilt. "Das Ziel dabei ist es, echte ‚Breakthrough-Technologien‘ zu erforschen, die in etwa zwei Jahrzehnten im großtechnischen Stil anwendbar sein könnten", sagte Wolfgang Eder, Vorstandsvorsitzender der Voestalpine AG. Die Zukunftsvision des Konzerns sieht vor, von Kohle beziehungsweise Koks über Brückentechnologien mit Erdgas (wie heute schon in der Direktreduktionsanlage in Texas) zur möglichst umfassenden Anwendung von „grünem“ Wasserstoff zu gelangen. "Voraussetzung dafür ist, dass erneuerbare Energie in ausreichendem Umfang und zu konkurrenzfähigen Bedingungen als Basis zur Verfügung steht", so Herbert Eibensteiner, Vorstandsmitglied der Voestalpine AG und Leiter der Steel Division.

Für die Forschungsanlage in Linz hat Siemens laut Betreibern das weltweit größte PEM („Proton Exchange Membrane“)-Elektrolysemodul entwickelt. Mit einer Anschlussleistung von sechs Megawatt können damit 1.200 Kubikmeter Wasserstoff pro Stunde produziert werden. "Bei der Umwandlung von Strom in Wasserstoff wird ein Rekordwirkungsgrad von 80 Prozent angestrebt", sagte Wolfgang Hesoun, Vorstandsvorsitzender der Siemens AG Österreich. Mithilfe von elektrischer Energie wird Wasser in die Grundelemente Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt. Den Strom liefert der Verbund. Österreichs größtes Stromunternehmen und einer der führenden Hersteller von Strom aus Wasserkraft in Europa, erzeugt mit seinen 128 Wasserkraftwerken knapp 100 Prozent seiner Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen. Erst so entstehe "grüner Wasserstoff", betonte Verbund-CEO Wolfgang Anzengruber.

Getestet werde in Linz, inwieweit der mit PEM-Technologie produzierte Wasserstoff als Industriegas einsetzbar ist sowie das Zusammenspiel mit dem Regelenergiemarkt des Stromnetzes. Über Demand-Side-Management wirke der PEM-Elektrolyseur als dynamische Regellastkomponente, um zum Ausgleich von Schwankungen im zunehmend volatileren Stromnetz beizutragen.

MBI/gil/16.4.2018

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