06.08.2018 - Schiefergasförderung/China steht vor großen geologischen Herausforderungen

Chinas Industrie wendet sich auf Druck der Regierung zunehmend von der Kohle ab und dem umweltfreundlicheren Schiefergas zu. Sie hofft, damit die strengeren Vorgaben zum Thema Luftverschmutzung erfüllen zu können. Allerdings sind die Fortschritte bei der Förderung von Schiefergas nicht ausreichend, meint der Informationsdienstleister GlobalData. Das Land verfügt mit nachgewiesenen 27 Billionen Kubikfuß über die größten Vorkommen an Schiefergas und ist abgesehen von den USA und Kanada der weltweit größte Produzent. Um die Lücke bei der Gasversorgung zu schließen, hat das Finanzministerium im März 2018 die Steuer auf die Förderung um 30 Prozent gesenkt. Seit 1. April 2018 bis zum 31. März 2021 müssen nur 4,2 Prozent statt zuvor 6 Prozent Steuern entrichtet werden.



Angesichts der staatlichen Unterstützung für Schiefergas hat der staatliche Ölkonzern China Petroleum & Chemical Corporation (Sinopec) seine Anstrengungen im Gasprojekt Fuling in Chongqing - mit einer jährlichen Produktionskapazität von 350 Milliarden Kubikfuß im Jahr 2017 das größte Schiefergasfeld außerhalb Nordamerikas - ausgeweitet. China National Petroleum Corporation (CNPC) produzierte 2017 in Changing-Weiyuan 239 Millionen Kubikfuß pro Tag, die Kennzahl soll bis 2020 auf 350 Milliarden Kubikfuß steigen.



Durch die staatliche Stimulierung dürften zwar die Investitionen in Schiefergas steigen und den Markt vergrößern. Die Produktion dürfte dennoch hinter den Vorgaben der Regierung zurückbleiben, denn die Exploration des Gases in China bleibt schwierig. Die Vorkommen sind geografisch relativ stark zersplittert und liegen zumeist im Gebirge. Die komplexen geologischen Strukturen seien eine Herausforderung, wenn es um die Kommerzialisierung von Schiefergas geht, schreibt GlobalData in einer Analyse. Die jüngsten Daten zeigen, dass Chinas Produktion an Schiefergas zwar schnell ansteigt und 2020 bei 1.500 Millionen Kubikfuß pro Tag liegen wird. Das wäre im Vergleich mit 2017 eine Steigerung um 72 Prozent. Die Nationale Energiebehörde hat aber das Produktionsziel für 2020 auf 2.900 Millionen Kubikfuß pro Tag reduziert. Anfänglich sollten 5.800 Millionen Kubikfuß pro Tag gefördert werden. Das geht aus dem Entwicklungsplan für die Kohle-Alternative für die Jahre 2016 bis 2020 hervor, der am 30. September 2016 veröffentlicht worden ist. GlobalData hält die neuen Richtwerte immer noch für zu ehrgeizig. Cao Chai, Analyst für Öl und Gas bei GlobalData, berichtet von technischen Fortschritten bei der Förderung. "Angesichts der Tiefe der Vorkommen und der besonders niedrigen Durchlässigkeit des Schiefers werden aber noch modernere Technologie benötigt, um das Schiefergas zu fördern", heißt es in der Analyse.

MBI/sir/6.8.2018

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