03.12.2018 - Japan will CO2 aus Plastikmüllverbrennung verstärkt auffangen

Beinahe 70 Prozent des Plastikmülls, der in Japan wiederaufbereitet werden soll, werden tatsächlich verbrannt. Nun rufen Spezialisten nach einem Bericht der Zeitung Yomiuri Shimbun dazu auf, das "thermische Recycling" auf den Prüfstand zu stellen, weil es zur Erwärmung des Klimas beitrage. Die Methode, bei der aus Plastikmüll Strom hergestellt wird, mausere sich zu einem neuen Problem im Zusammenhang mit Plastikmüll. "Wenn man Plastik, das aus Erdöl hergestellt wurde, verbrennt ist das so als würde man Erdöl verbrennen und CO2 produzieren", sagte Hideshige Takada, Professor der Universität für Landwirtschaft und Technologie in Tokio. Takada hat sich auf Umweltchemie spezialisiert und ruft dazu auf, weniger Plastik zu verbrennen und auch weniger Verbrennungsanlagen zu bauen. Auch Minoru Kiuchi, Staatsminister für Umwelt, mahnte ein langsames Umstellen beim Recycling an.

In Japan werden zurzeit 84 Prozent des Plastikmülls der Wiederverwertung zugeführt, 9 Prozent werden verbrannt und der Rest wandert in Deponien. Die Zahlen stammen vom Plastic Waste Management Institute in Chuo Ward in Tokio.

Von dem Teil, der wiederaufbereitet wird, gehen 68 Prozent in das thermische Recycling, nur 27 Prozent des Mülls werden zu neuen Produkten verrbeitet, 5 Prozent werden chemisch recycelt und in neue chemische Materialien überführt.

In Europa arbeiten Länder wie Deutschland oder Belgien an Möglichkeiten der Plastikmüllwiederverwertung ohne Verbrennen des Mülls.

In Japan ist in Zeiten des schnellen Wirtschaftswachstums das Aufkommen von Müll rasch stark gestiegen. Die Deponien des Landes waren schnell überlastet. Stattdessen begann das Verbrennen des Plastikmülls. Dioxin und andere gesundheitsgefährdende Nebenprodukte wurden durch eine Aufrüstung der Öfen gezähmt.

Nun wurde in Saga eine Anlage in Betrieb genommen, die CO2 aus der Abluft herausfiltert. Da die Nachfrage nach CO2 niedrig ist, werden nur 2,5 Prozent der CO2-Emissionen beziehungsweise 5 Tonnen CO2 pro Tag aufgesammelt. Das Treibhausgas wird an ein Unternehmen weitergeleitet, das Algen zur Herstellung von Hand- und Körpercremes verwendet. Es gibt auch Ansätze, CO2 in andere Substanzen umzuwandeln. Sekisui Chemical nutzt das CO2, das bei der Verbrennung von Abfall entsteht, für die Produktion von Ethanol. Hitachi Zosen aus Osaka arbeitet an einer Technologie zur Herstellung von Methangas, indem CO2 mit Wasserstoff gemischt wird. Toru Matsumoto, Professor an der Universität von Kitakyushu mit dem Spezialgebiet Anlagentechnik und Ökologie, empfiehlt, die Wiederverwertung so zu verbessern, dass auch der CO2-Ausstoß verbessert wird.

MBI/sir/3.12.2018

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