10.08.2017 - Forscher fürchten Unterdrückung des Regierungsberichts zum Klimawandel

Ein Entwurf für einen Klimabericht der neuen US-Regierung zeichnet laut New York Times ein drastisches Bild von den Auswirkungen der Erderwärmung auf die USA. "Die Amerikaner spüren die Effekte des Klimawandels schon jetzt", zitierte die Zeitung aus dem noch nicht veröffentlichten Regierungsbericht. Die Durchschnittstemperaturen in den USA haben demnach seit 1980 stark zugenommen: Die vergangenen Jahrzehnte seien die heißesten seit 1.500 Jahren gewesen.

Die Analyse, die alle vier Jahre erscheint, ist von der Regierung bisher noch nicht freigegeben worden. Stichtag für die Freigabe durch insgesamt 13 US-Behörden - darunter ist auch die Umweltbehörde EPA - ist der 18. August. Die beteiligten Wissenschaftler fürchten, dass die Trump-Verwaltung den Bericht in Teilen ändern oder gänzlich unterdrücken könnte. Denn der Inhalt ist gerade für den Klimaskeptiker Trump brisant: Seit dem letzten National Climate Assessment im Jahr 2014 konnten deutliche Verbindungen zwischen den Wetterextremen und dem Menschen nachgewiesen. Weltweit könne mehr als die Hälfte des Temperaturanstiegs seit dem Jahr 1951 auf menschliche Einflussnahme zurückgeführt werden, heißt es in dem Bericht.

Wie die Zeitung schreibt, widerspricht der Bericht "Aussagen von US-Präsident Donald Trump und seiner Regierung, wonach der menschliche Einfluss auf den Klimawandel ungewiss ist und dessen Effekte nicht prognostizierbar sind". Urheber der Studie ist die Nationale Wissenschaftsakademie der USA. Der 673 Seiten starke Bericht war Ende Januar in die Non-Profit-Internetbibliothek Documentcloud (http://t1p.de/TNE17-01) eingestellt, dort aber kaum beachtet worden. Das hat sich geändert, seit die New York Times über die brisante Analyse berichtete. Die beteiligten Wissenschaftler sorgen sich, dass Präsident Donald Trump den Bericht unter den Teppich kehren wird. Das Weiße Haus und die US-Umweltbehörde haben sich auf Anfrage zu dem Bericht nicht geäußert, schreibt die New York Times.

In der Bestandsaufnahme kommen die Wissenschaftler nach Auswertung zahlreicher Studien und Daten zu dem Ergebnis, dass die Klimaerwärmung in diesem Jahrhundert auch dann fortschreiten wird, wenn die Menschheit keine Treibhausgase mehr ausstoßen sollte. Die Erde werde um 2 Grad Celsius wärmer. Ob die Temperatur um 1,5 Grad oder 2 Grad Celsius ansteigt, hat deutliche Auswirkungen. Eine stärkere Erwärmung sei gleichbedeutend mit länger anhaltenden Hitzeperioden, Starkregen und einer schnelleren Auflösung von Korallenriffen.

Die Studie untersucht jeden Winkel der USA - überall zeigen sich demnach bereits Auswirkungen der erhöhten Temperatur. Die durchschnittliche Jahrestemperatur in den USA dürften je nach dem künftigen Treibhausgasemissionen bis zum Ende des Jahrhunderts um 2,8 bis 4,8 Grad Celsius steigen. Die durchschnittliche Regenmenge habe seit Beginn des 20. Jahrhunderts um rund 4 Prozent zugenommen. Teile des Westens, Südwestens und Südosten des Landes werden immer trockener, die Southern Plains und der Mittlere Westen werden feuchter. In Alaska und der Arktis steigen die Temperaturen doppelt so schnell wie der weltweite Durchschnitt. Das Abschmelzen des Eisschildes sei eine Bedrohung für die Vereinigten Staaten.

MBI/sir/10.8.2017

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