21.12.2017 - Emissionshandel in China/ICIS sieht geringen Einfluss auf Gas und Kohle

Judith Schröter, Business Director Carbon Market Analytics beim Informationsdienstleister ICIS, geht davon aus, dass der vor kurzem aus der Taufe gehobene nationale chinesische Emissionshandel (NETS) in seiner aktuellen Form wenig Einfluss auf den Gas- und Kohlemarkt haben wird. "Wir gehen davon aus, dass der Einfluss des NETS insgesamt sehr gering sein wird in seiner derzeitigen Form. Das Problem dabei ist vor allem, dass der Strommarkt in China sehr stark reguliert ist. Dadurch kann ein eventuelles Preissignal durch den CO2-Preis gar nicht weiter gegeben werden. Zusätzlich wird es 100 Prozent Allokationen zu Beginn geben, was den Preiseinfluss nochmal deutlich verringert", sagte uns Schröter. Sie bezeichnet die Ankündigung vom Dienstag als sehr enttäuschend in dem Sinne, dass eigentlich kaum Details veröffentlicht worden seien.

Nach Angaben der Nationalen Kommission für Entwicklung und Reformen NDRC werden zunächst 1.700 Unternehmen des Energiesektors, die mehr als 26.000 Tonnen CO2 pro Jahr ausstoßen, der Emissionshandelspflicht unterliegen. Die bisherigen Pilotmärkte werden fortgeführt und sollen später dem NETS angegliedert werden. Auf lange Frist sollen auch Minderungszertifikate (CCERs) in den Handel eingebunden werden. NETS-Unternehmen sind allerdings nicht mehr zur Leistungserfüllung in den Pilotmärkten verpflichtet. Schröter und ihr Analystenteam in China gehen davon aus, dass wirkliche Handelsaktivitäten erst 2019 oder 2020 erfolgen werden. Da die chinesische Führungsspitze Spekulationsgeschäfte verhindern will, ist zunächst nur Spothandel möglich. Nach und nach sollen weitere Produkte eingeführt und Sektoren einbezogen werden.

Derzeit ist die Regierung vor allem bemüht, die Infrastruktur für den landesweiten Handel aufzusetzen. Unter anderem müssen das Berichtswesen, das Register, der Handel und die Abwicklung angeschoben werden. Hubei soll sich um den Aufbau des nationalen Registers kümmern, während Schanghai mit Unterstützung der weiteren Pilotmärkte das Handelssystem aufsetzen soll.

Nach Angaben der internationalen Emissionshändlervereinigung IETA sind in den sieben Pilotmärkten seit dem Start im Jahr 2013 mehr als 200 MIllionen Tonnen CO2-Äquivalent im Wert von 4,6 Milliarden Yuan (588 Millionen Euro) gehandelt worden. Die NDRC wolle mit Vertretern der einzelnen Pilotmärkte Gespräche führen.

MBI/sir/21.12.2017

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