12.04.2018 - Elektromobilität/Ohne politische Unterstützung haben westliche Autohersteller keine Chance gegen China

Ob westliche Automobilhersteller künftig auf dem Weltmarkt für Elektrofahrzeuge überhaupt eine Rolle spielen werden, hängt für Stanley Whittingham „nicht mehr an der Technik, sondern nur noch an Politik und Wirtschaft“. „Wenn wir im Westen nicht bald aufwachen, wird es für unsere Autohersteller in 20 Jahren kein Geschäftsmodell Elektromobilität mehr geben“, warnte der Professor der Universität Binghamton bei der Fachkonferenz Advanced Battery Power in Münster. Die Zahlen sprechen für sich: 2016 hat allein die Zentralregierung die Elektrifizierung im Automobilsektor mit umgerechnet 8,3 Milliarden Euro gefördert, auf lokaler Ebene gibt es ebenfalls Zuschüsse für den Umstieg auf alternative Antriebsmodelle. Zahlen für 2018 liegen noch nicht vor.

Mit seiner Einschätzung stand der Chemiker, der dank seiner Beiträge zur Erforschung von Lithiumbatterien seit Jahren zu den Favoriten für den Chemie-Nobelpreis zählt, nicht alleine da.

Auch Mark Lu vom taiwanesischen Industrial Technology Research Institute (ITRI) wies in seiner Analyse des asiatischen Batteriemarktes für Elektrofahrzeuge mehrfach eindringlich darauf hin, mit welchem Nachdruck die chinesische Regierung die Elektrifizierung der nationalen Fahrzeugflotte politisch vorantreibt. „Kurzfristig ist der Effekt, den politische Maßnahmen haben, größer als die Marktkräfte“, sagte Lu in Münster.

China will von 2020 an jährlich zwei Millionen E-Fahrzeuge an den Mann bringen. Um dieses politisch gewollte Ziel zu erreichen, greift die Zentralregierung tief in den Fördertopf. Das wird sich nach Ansicht von Lu auch in absehbarer Zeit nicht ändern. Zwar sank nach seinen Angaben die aktuelle Förderung zwischen Januar und Dezember 2018 um 20 Prozent, Ende 2020 laufen alle monetären Subventionen aus. Allerdings wird der Einsatz von E-Fahrzeugen in der Wirtschaft auch weiterhin unterstützt: Sobald die Unternehmen mindestens 20.000 Kilometer mit den umweltfreundlicheren Fahrzeugen zurücklegen, werden sie vom Staat gefördert.

Die maximale Förderung ist zuletzt im Februar 2018 um 100 Yuan auf 1.200 Yuan je Kilowattstunde (kWh) gestiegen. Die Mindestlaufleistung liegt nach Angaben des Analysten nun bei 150 statt 100 Kilometern. Aktuell ist Peking bemüht, die Mindestenergiedichte in Batteriemodulen von 90 Wattstunden je Kilogramm (Wh/kg) auf 105 Wh/kg zu steigern. „Die Forderungen hinsichtlich der Energiedichte könnten von der Zentralregierung noch in weitere Unterkapitel aufgespalten werden und könnten dann auch E-Fahrzeuge mit niedriger Geschwindigkeit betreffen“, sagte Lu. Ein maßgeblicher Faktor für die weitere Entwicklung des chinesischen Marktes sind aus seiner Sicht auch die Vorgaben Pekings zum durchschnittlichen Flottenverbrauch. Dieser soll 2020 bei höchstens 5 Litern auf 100 Kilometer liegen, wobei maximal 117 Gramm CO2 je Kilometer emittiert werden dürfen.

Silvia Rausch-Becker

MBI/sir/12.4.2018

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