11.12.2017 - Bitcoin-Energiehunger eine Gefahr für Klimaschutz

Der Energiehunger der Kryptowährung Bitcoin stellt ein wachsendes Problem für den Klimaschutz dar. Bitcoins verlangsamten den Übergang in eine CO2-arme Gesellschaft, warnt Eric Holthaus vom US-Magazin Wired. Angesichts des rasant wachsenden CO2-Fußabdrucks sieht er die Kryptowährung als "bösartige Entwicklung". Der Aufstieg von Bitcoin komme zu einem kritischen Zeitpunkt. Die Menschheit liege beim Kampf gegen den Klimawandel bereits Jahrzehnte zurück. Deshalb sei es überaus wichtig, alle Aktivitäten auf ihre Auswirkungen auf das Klima zu überprüfen. Bitcoins bestünden diesen Test nicht. Der Hunger auf Kryptowährungen hat laut Holthaus einen hohen Preis: die Nachfrage nach Rechnerleistung steige exponentiell. Aktuell benötigt jede Bitcoin-Transaktion ebenso viel Energie wie neun US-Haushalte an einem Tag. Um Bitcoins zu schaffen, würden immer mehr und immer schnellere Computer installiert. Die gemeinsame Rechnerleistung des Bitcoin-Netzwerks sei aktuell beinahe 100.000 Mal größer als die der 500 schnellsten Supercomputer zusammen. Die Hardware verschlingt nach seinen Angaben geschätzte 31 Terawattstunden pro Jahr. Mehr als 150 Staaten der Erde benötigten weniger Energie im Jahr. Das stromhungrige Netzwerk steigert seinen Energieverbrauch nach Wired-Rechnung pro Tag um 450 Gigawattstunden - das sei ungefähr der Bedarf von Haiti im Gesamtjahr.

In Venezuela komme es bereits zu Netzwerkausfällen, weil das Erzeugen von Bitcoins boomt. In China saugen die Bitcoin-Minen Strom aus Wasserkraftwerken an Stauseen, einer der billigsten Quellen für CO2-freie Energie. In wenigen Monaten dürfte bei gleichbleibender Wachstumsrate die benötigte Energie das Stromangebot übertreffen, neue Kraftwerke würden notwendig. Im Juli 2019 dürfte das Bitcoin-Netzwerk mehr Strom benötigen als die USA aktuell. Bis Februar 2020 wäre der Energiebedarf so groß wie der des ganzen Planeten. "Das ist ein nicht nachhaltiger Pfad. Das kann einfach nicht so weitergehen", schreibt Holthaus.

Es gebe bereits Versuche, die Prozesstransaktionen so zu überarbeiten, dass neue Münzen mit weniger Energieaufwand hergestellt werden können. Neue energieeffizientere Produktionstechnologien für Bitcoins könnten aber noch mehr Menschen auf den Zug aufspringen lassen. Sicher ist aus Sicht des Kolumnisten nur, dass die zunehmende Energielast durch Bitcoin-Transaktionen von den Fortschritten zur Elektrifizierung der Welt und zur Senkung der weltweiten CO2-Emissionen ablenkt. Die Frage sei nur, wie stark.

MBI/sir/11.12.2017

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