03.12.2019 - EZB/Lagarde/Ratingagenturen sollten Klimarisiken berücksichtigen

Die Europäische Zentralbank (EZB) ist nach Aussage von EZB-Präsidentin Christine Lagarde derzeit nicht in der Lage, bei ihren Refinanzierungsgeschäften Klimaaspekte zu berücksichtigen. Wie Lagarde in ihrer Anhörung vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europaparlaments sagte, sieht sie die Ratingagenturen in der Pflicht, Klimarisiken von Repo-Sicherheiten in ihren Ratings zu berücksichtigen. "Die drei wichtigsten und bekanntesten Ratingagenturen sollten sich in diese Richtung bewegen", sagte Lagarde.



Die EZB-Präsidentin verwies darauf, dass die aktuellen Refinanzierungsgeschäfte nach dem Prinzip der Marktneutralität abgewickelt werden müssten. Sie fügte aber hinzu, dass die Meinung darüber, was Marktneutralität bedeute, auseinander gingen und dass sie diskutiert würden und weiter diskutiert werde müssten. Lagarde sagte, sie wolle in dieser Hinsicht aber nicht den Diskussionen im EZB-Rat und anderen Gremien vorgreifen.



EZB-Direktor Benoit Coeure hatte das Prinzip der Marktneutralität so definiert, dass die EZB zwar die Preise beeinflussen, dabei aber nicht den Preisbildungsmechanismus unterdrücken wolle. Dazu wolle sie bei ihren Markteingriffen transparent sein und deren Einfluss auf die Liquidität und die Verfügbarkeit von Repo-Sicherheiten genau beobachten.



Der deutsche EP-Abgeordnete Sven Giegold hatte in der Anhörung darauf hingewiesen, dass die Anleihebestände der EZB Klimaaspekte unzureichend berücksichtigten. Nach seinen Angaben machen Auto-Papiere 6,84 Prozent der Anleihebestände der Zentralbanken des Eurosystems aus, während deren Anteil am insgesamt ausstehenden Anleihevolumen nur 2,16 Prozent betrage. Bei Anleihen aus dem Energiesektor stehe es 9,45 zu 2,55 Prozent, bei erneuerbaren Energien aber 0 Prozent zu 0,18 Prozent.

MBI/DJN/aul/3.12.2019

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