07.06.2018 - Abspaltung/Teyssens Vorgehen bei Uniper lässt Innogy aufhorchen

Versprochen - gebrochen. So jedenfalls empfindet Uniper-Chef Klaus Schäfer, wie ihn der E.ON-Vorstandsvorsitzende Johannes Teyssen behandelt hat. Bei der Abspaltung der Kraftwerkstochter vor zwei Jahren glaubte Schäfer der Zusicherung seines Chefs, dass er ein unabhängiges Unternehmen ohne beherrschenden Investor würde führen können. Doch mit dem eingefädelten Verkauf des Restanteils von 47 Prozent an den finnischen Energieversorger Fortum kam alles ganz anders.



Bei der Uniper-Hauptversammlung in Essen drehte sich wieder alles um den Einstieg der Finnen. Das Vorgehen Teyssens auf dem Aktionärstreffen wurde auch von dem bisherigen Rivalen Innogy und dessen Mitarbeitern genau beäugt. Der E.ON-Chef ließ mit seiner noch bestehenden Mehrheit einen Antrag auf Einsetzung eines Sonderprüfers durch Elliott nicht niederstimmen, sondern ließ selbst einen Antrag auf Vertagung der delikaten Frage einbringen. Seinem früheren Weggefährten Schäfer droht damit weiter, dass ihm ein Aufpasser vor die Nase gesetzt wird. Die Mitarbeiter von Uniper sind bitter enttäuscht von ihrem alten Chef, für den sie bis vor zwei Jahren in der Masse selbst arbeiteten.



Der Umgang des E.ON-Lenkers mit den alten Kollegen lässt die neuen auf nichts Gutes hoffen. Innogy wird durch die zwischen E.ON und RWE beschlossene Neuvermessung der deutschen Energiebranche zerschlagen und aufgeteilt. Fast die komplette, über 40.000 Beschäftigte starke Belegschaft soll künftig unter der Flagge des früheren Konkurrenten arbeiten. E.ON plant ab Anfang des kommenden Jahrzehnts, pro Jahr 600 bis 800 Millionen Euro an Kosten zu sparen, weil 5.000 der dann deutlich über 70.000 Stellen gestrichen werden sollen. Der Vorstandsvorsitzende hat den künftigen Mitarbeitern versichert, sie gleichwertig zu behandeln und auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten.



Die Glaubwürdigkeit von Teyssens Wort hat bei den Innogy-Mitarbeitern jedoch durch das Beispiel Fortum gelitten. Eine erste Grundsatzvereinbarung zwischen Gewerkschaften, Betriebsräten, E.ON, RWE und Innogy schließt betriebsbedingte Kündigungen zwar praktisch aus. Bei den anstehenden Detailverhandlungen über Stellen- und Standortgarantien sowie die Tarifverträge werden die Arbeitnehmervertreter jedoch mit Argusaugen darüber wachen, nicht über den Tisch gezogen zu werden. Sie bestehen auf einer Einigung, schwarz auf weiß festgehalten. Misstrauen hat sich breit gemacht, was die Zusicherungen am Ende wert sein werden. E.ON sollte nicht mit einfachen Verhandlungen rechnen.

Christian Grimm

MBI/DJN/aul/7.6.2018

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