09.10.2019 - Smart Meter/BSI rechnet mit Rollout bis spätestens Dezember 2019

Der gesetzliche Rollout von intelligenten Messsystemen - Smart Metern - wird voraussichtlich noch in diesem Jahr starten. "Wir sind zuversichtlich, was die Nummer 3 angeht. Denn wir gehen davon aus, dass wir bis Dezember die Zertifizierung geben können und ohne Verzögerung auch die Markterklärung veröffentlichen werden", sagte Dennis Laupichler, Referatsleiter Cyber-Sicherheit für die Digitalisierung der Energiewirtschaft beim zuständigen Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), am Mittwoch in Fulda. "Sie haben lange gewartet, noch in diesem Jahr wird der juristische Akt für den Rollout vollzogen werden", erklärte Laupichler auf den "Metering Days" des ZVEI vor rund 700 Branchenvertretern.

Ähnlich äußerte sich Staatssekretär Thomas Bareiß (CDU) vom Bundeswirtschaftsministerium. "Ich bin davon überzeugt, dass wir in diesem Jahr noch mit dem Rollout starten, dass die dritte Zertifizierung von Smart Meter Gateways vorliegt", sagte Bareiß in Fulda. Nach der Zertifizierung des Smart Meter Gateways (SMGW) von Sagemcom Dr. Neuhaus vergangene Woche wartet die Branche nun auf die dritte und für den Rollout notwendige Genehmigung durch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Im Dezember 2018 hatte die Behörde das erste SMGW von PPC zertifiziert. Für die Markterklärung und damit die gesetzliche Verpflichtung zum Einbau fehlt noch ein Hersteller.

Insgesamt befinden sich jetzt noch sieben SMGW im Zertifizierungsprozess. Ganz oben auf der Liste sieht sich EMH Metering, die in diesem Herbst mit der Zulassung rechnet. "Wir haben ein positives Signal vom BSI erhalten, dass wir uns auf der Zielgeraden befinden", erklärte EMH-Geschäftsführer Peter Heuell kürzlich im Interview mit MBI Energy Daily. Zu den Favoriten gehört auch der Hersteller Theben. "Wir sind nicht mehr ganz weit weg von der Zertifizierung“, sagte Ruwen Konzelmann, Leiter der Business Unit Smart Energy.

Für die Politik ist nach den Worten von Staatssekretär Bareiß beim Rollout von Smart Metern entscheidend, dass die Wirtschaftlichkeit berücksichtigt wird. "Die Kunden sollen den Nutzen der Geräte spüren und auch Spaß dabei haben", sagte er auf der ZVEI-Konferenz in Fulda. Die Verbraucher müssten informiert und aufgeklärt werden, damit die Akzeptanz für intelligente Messsysteme erhöht wird. Nach wie vor sehen die deutschen Endkunden noch wenig Nutzen in Smart Metern und Anwendungen von Smart Home. Vor allem aber erscheinen ihnen die Geräte zu teuer.

Zunächst sieht das Gesetz vor, dass im Zuge des Rollouts Endkunden mit einem jährlichen Stromverbrauch von über 6.000 Kilowattstunden (kWh) mit einem Smart Meter ausgestattet werden. Dies gilt auch für erneuerbare Energieanlagen mit einer Leistung von mehr als sieben Kilowatt. Nach den Worten von Alexander Kleemann, Referent Digitalisierung der Energiewirtschaft im Bundeswirtschaftsministerium, muss innerhalb von drei Jahren nach dem Start des Rollouts bei zehn Prozent der Pflichteinbaufälle ein intelligentes Messsystem eingebaut werden. Für den vollständigen Rollout hat die Energiebranche insgesamt acht Jahre Zeit, also voraussichtlich bis 2027. Die Uhr laufe ab dem Zeitpunkt der Markterklärung, versicherte Kleemann.

Mit dem freiwilligen Einbau von Smart Metern haben einige Energieversorger wie E.ON, Innogy und EnBW nach der Zertifizierung des Gateways von PPC bereits begonnen. E.ON Metering und Innogy Metering sehen sich gut gerüstet für den Rollout. "Wir werden bis 2022 die erforderlichen zehn Prozent erreichen", prognostizierte Oliver Schmitt, Geschäftsführer von Innogy Metering. Die beiden Metering-Unternehmen, die im Zuge der Innogy-Übernahme im E.ON-Konzern gebündelt werden, wünschen sich einen Voll-Rollout, das heißt den Einbau von Smart Metern auch für Stromverbraucher unter 6.000 kWh pro Jahr.

"Ich halte den Voll-Rollout für den wichtigen und richtigen Schritt", sagte Paul-Vincent Abs, Geschäftsführer E.ON Metering, in Fulda. Sein Kollege Schmitt von Innogy erklärte: "Wir wollen natürlich einen doppelten und dreifachen Rollout haben, wir verdienen ja unser Geld damit." Schmitt rechnet damit, dass in Zukunft jeder deutsche Haushalt mit einem intelligenten Messsystem ausgestattet wird. Dies sei nur eine Frage der Zeit. Aber: "Wir müssen das Interesse und die Akzeptanz dafür in der Bevölkerung erhöhen", mahnte Schmitt.

Ali Uluҫay

MBI/aul/9.10.2019

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