23.09.2019 - Startup/MeteoViva will Stadtviertel smarter heizen

Das Unternehmen MeteoViva hat eine Software entwickelt, die Gebäudetechnik intelligent steuert. Mit dem besonderen Ansatz aus Jülich sinken Energieverbrauch und klimaschädliche Emissionen deutlich. Etliche Dax-Konzerne zählt MeteoViva zu seinen Kunden. Nun nimmt sich das Team zusammen mit Stadtwerken auch die Wärmeversorgung ganzer Quartiere vor.

Die Herbstsonne tritt hinter den Wolken hervor, scheint ins warme Bürogebäude und heizt dieses auf - obwohl es eigentlich die perfekte Temperatur hatte. Ein Mitarbeiter lüftet kräftig durch, während die Heizungsluft nach draußen entweicht. In Szenarien wie diesen geht viel Energie verloren - ein Problem, das Markus Werner schon vor Jahren erkannt hat. „Eine Heizung liefert nie passgenau das, was das Gebäude gerade eigentlich an Wärme braucht“, sagt Markus Werner. Denn die Gebäudetechnik reagiert erst, wenn Änderungen im Wetter und Raumklima schon eingetreten sind.

Der studierte Elektroingenieur hat deshalb 2001 das Jülicher Unternehmen MeteoViva gegründet und eine intelligente Steuerung der Gebäudetechnik entwickelt. Die Software senkt den Energieverbrauch und so auch die CO2-Emissionen in großen Gebäudekomplexen. Die Steuerung basiert beispielsweise auf Wetterdaten, Energiepreisen oder Daten, wann sich wie viele Personen im Gebäude befinden und stellt so das gewünschte Raumklima her.

Das Besondere dabei: MeteoViva simuliert im laufenden Betrieb das Verhalten der Bauphysik von Gebäuden und stellt so fest, wie lange diese Wärme speichern. „So kann exakt prognostiziert werden, wann wie viel Wärme nötig ist“, erklärt Werner. Die Lösung sei dadurch viel präziser als selbstlernende Verfahren oder klassische Regelungstechnik.

MeteoViva vertreibt seine Produkte inzwischen von Standorten in der Schweiz, Frankreich, in den Beneluxstaaten und Washington in den USA. Mit ihrem Produkt haben die Jülicher bereits etliche namhafte Kunden überzeugt und steuern beispielsweise die Gebäudetechnik der EZB-Zentrale in Frankfurt, Gebäude von BMW in München oder den Post-Tower in Bonn. „Selbst in Gebäuden mit modernster Gebäudetechnik senken wir die Energiekosten im Schnitt um 20 Prozent, so Werner. Für ein Projekt erhielten MeteoViva und der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport im vergangenen Jahr den „Energy Efficiency Award“ der Deutschen Energie-Agentur.

Nun nimmt der Energieeffizient-Experte auch andere Projekte in den Fokus: „Wir wollen mit unserem Ansatz die Wärmeversorgung ganzer Stadtquartiere klimafreundlich optimieren“, verrät Werner. MeteoViva arbeitet an einem Verbundvorhaben mit Fernwärmeversorgern und gewerblichen Kunden. Das Projekt sei noch am Anfang, deshalb dürfe er keine Namen nennen.

Dafür will MeteoViva nicht nur einzelne Gebäude steuern, sondern ans Fernwärmenetz angeschlossene Komplexe untereinander vernetzen. Werner setzt dabei an einem Problem an: Am Morgen startet die Heizung vieler verschiedener Bürokomplexe. „Wenn viele Gebäude morgens gleichzeitig Fernwärme beziehen, entstehen Leistungsspitzen, die das Rohrnetz an die Grenze seiner Leistungsfähigkeit bringen können“, erklärt Werner.

Der Versorger muss also entsprechende Kapazitäten und Reserven bereitstellen. Das schlägt sich auch auf dem Konto der Kunden nieder - denn dieser muss die Kosten mit einem höheren Grundpreis tragen. An dieser Stelle kommt MeteoViva ins Spiel: „Wenn wir die Fähigkeit der Gebäude nutzen, Wärme zu speichern, können einige schon zu einem früheren Zeitpunkt mit dem Heizen beginnen“, erklärt Werner. Die Spitzenleistung könne so ersten Abschätzungen zufolge um bis zu 30 Prozent gesenkt werden. Zwar würden die Heizenergiekosten so leicht steigen, die Grundkosten aber deutlich stärker sinken. „Ein Kunde kann per saldo seine Jahresheizkosten senken, wenn er der Spitzenlastoptimierung seiner Immobilie zustimmt“, prognostiziert Werner.

Louisa Schmidt



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