09.07.2018 - BMW kauft in Erfurt Batteriezellen für 1,5 Milliarden Euro

BMW kauft Batteriezellen im Wert von 4 Milliarden Euro beim größten chinesischen Hersteller Contemporary Amperex Technology (CATL). Zellen im Wert von 1,5 Milliarden sollen von 2021 an aus der geplanten CATL-Fabrik in Erfurt kommen, sagte BMW-Einkaufsvorstand Markus Duesmann am Montag in München. Von Erfurt würden die Zellen dann ins 400 Kilometer entfernte BMW-Werk Dingolfing gefahren, wo sie zu Modulen für den vollelektrischen BMW i-next zusammengebaut würden. Zellen für weitere 2,5 Milliarden Euro kauft BMW bei CATL in China - unter anderem für den Elektro-Mini, der schon ab nächstem Jahr in Oxford vom Band läuft.

BMW sei Erstkunde des CATL-Werks in Erfurt. Weil größere Produktionsmengen die Kosten pro Stück senken, wäre es "nicht schlecht, wenn auch Daimler in Erfurt kauft", sagte Duesmann. Heute ist Samsung der größte Zellen-Lieferant für BMW. Sie werden vor allem in den i3 aus dem Werk Leipzig eingebaut. Denkbar sei, dass BMW künftig bei drei Zulieferern bestelle. Mit acht sei BMW "ernsthaft im Gespräch", sagte der Vorstand. "Wir entscheiden von Projekt zu Projekt, an wen wir vergeben."

BMW habe eine Zellenfabrik näher bei den deutschen Werken haben wollen. Bei langen Transporten aus Asien gebe es hie und da Herausforderungen. Mit Subventionen, "politischem Goodwill" und halbwegs günstigen Lohnkosten klappe das. BMW habe sich auch an der Ausstattung des CATL-Werks beteiligt.

Das für die Batteriezellen wichtige und teure Kobalt werde BMW selbst in Bergwerken kaufen und von 2020 an für die Zellen an CATL und Samsung liefern. So könne BMW Umwelt- und Sozialstandards einhalten. Im Kongo, wo 60 Prozent des abgebauten Kobalts herkommen, kaufe BMW nicht, sagte Duesmann und verwies auf Kinderarbeit.

Nach dpa-Informationen ist der Aufbau des Werkes in Thüringens größtem Industriegebiet "Erfurter Kreuz" in mehreren Etappen geplant. Zunächst solle ein dreistelliger Millionenbetrag investiert werden. Im Gespräch seien mehrere hundert Millionen Euro, hieß es in Erfurt. Langfristig könnten bis zu 1.000 Arbeitsplätze entstehen.

Asiatische Konzerne gelten bei der Batteriezell-Fertigung als führend. Deutsche Autobauer setzen eher auf die Kompetenz beim anschließenden Zusammensetzen der Zellen zu Batteriepacks für E-Autos.

CATL soll im Erfurter Kreuz zwischen Erfurt und Arnstadt, das über zwei Autobahnen erreichbar ist, ein etwa 80 Hektar großes Areal im Blick haben. Neben der zentralen Lage in Deutschland - auch zu potenziellen Kunden - soll die Infrastruktur einschließlich einer leistungsfähigen Stromanbindung für den Standort gesprochen haben. Die Chinesen sollen auch andere Standorte in Europa geprüft haben.

Tiefensee hatte bereits vor einigen Wochen Thüringens großes Interesse an der Industrieansiedlung signalisiert. Er hatte betont, dass die Landesregierung "alles tun wird, um das Unternehmen bei der Realisierung in Thüringen zu unterstützen".

Die Unternehmensberatung PwC sieht für die deutschen Autohersteller selbst noch keine Notwendigkeit, eigene Batteriezellen für Elektroautos zu bauen. "Aktuell gibt es genug Wettbewerb, und alle Autohersteller kaufen ihre Zellen bei mehreren Herstellern ein, damit kein Monopol entsteht", sagte PwC-Autoexperte Jörn Neuhausen.

MBI/dpa/sir/9.7.2018

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