11.12.2017 - VÖB: Europas Banken müssen trotz Basel 3 arbeitsfähig bleiben

Der für Landes- und Förderbanken zuständige Bankenverband VÖB hat die europäischen Aufsichtsbehörden davor gewarnt, die Wettbewerbsfähigkeit der Institute durch eine übereifrige Umsetzung des Eigenkapitalstandards Basel 3 weiter zu schwächen. "Wir müssen in Europa bei der Umsetzung aufpassen, dass wir arbeitsfähig bleiben", sagte VÖB-Präsident Johannes-Jörg Riegler in Frankfurt.



Laut Riegler wird es nun darauf ankommen, dass es, vor allem im Verhältnis zu den USA, nicht zu weiteren Verschiebungen und Wettbewerbsverzerrungen kommt. Basel 3, das der VÖB als Basel 4 bezeichnet, werde "noch mal eine Menge Kapital brauchen". Wie viel genau, darüber gehen die Meinungen offenbar weiter auseinander.



VÖB-Hauptgeschäftsführerin Iris Bethge verwies auf die Auswirkungsstudie des VÖB, der zufolge die Risikoaktiva der deutschen Banken um 10 bis 20 Prozent steigen würden. Die Bundesbank sei dagegen auf nur 8 Prozent gekommen - das lasse sich nun nicht mehr ändern, sagte Bethge. VÖB-Präsident Riegler sprach davon, dass aus Sicht der Aufsichtsbehörden der Wunsch nach einem globalen Eigenkapitalstandard am Ende wohl den Ausschlag dafür gegeben habe, dem aus Sicht der deutschen Banken ungünstigen Kompromiss zuzustimmen.



Die Bundesbank selbst hatte am Freitag mitgeteilt, sie sehe den Bedarf an hartem Kernkapital (CET1) für deutsche Banken bei 17,5 Milliarden Euro nach Systematik der Bankaufsichtsbehörde EBA und bei 27,9 Milliarden Euro laut Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht.



Die im Baseler Ausschuss vertretenen Länder hatten sich in der vergangenen Woche auf die abschließenden Regelungen des Eigenkapitalstandards Basel 3 geeinigt. Diese regeln unter anderem, wie die Banken ihre für die Bemessung der Eigenkapitalanforderungen maßgeblichen Risikoaktiva (RWA) berechnen sollen. Dabei wurde die Nutzung der in Europa weit verbreiteten internen Modelle deutlich eingeschränkt.



Die Bundesbank hielt sich allerdings zugute, darauf hingewirkt zu haben, dass die in Deutschland wichtigen Immobilienfinanzierungen begünstigt angerechnet werden können, wenn die Kredite gut besichert sind. Zudem würden Mittelstandskredite günstiger angerechnet.



Zumindest nicht vollständig durchsetzen konnten sich die deutschen Verhandler in der Frage, wie stark die im Rahmen interner Ratingmodelle (IRB-Ansatz) errechneten RWA von den im Standardansatz ermittelten nach unten abweichen dürfen. Laut Basel 3 müssen die mit IRB-Ansatz ermittelten RWA mindestens 72,5 Prozent der im Standardverfahren ermittelten RWA entsprechen (Output Floor). Die US-Seite hatte 80 Prozent gefordert, Europa 70 Prozent.



Basel 3 ist ein globaler Standard, der noch in nationale Praxis umgesetzt werden muss, bzw. im Falle der EU in europäische Praxis. Die Europäer werfen den Amerikanern gerne vor, schon Basel 2 nicht richtig umgesetzt zu haben - das tat in der Veranstaltung in Frankfurt auch VÖB-Chef Riegler wieder.



Allerdings waren auch die Europäer bei der Umsetzung mindestens ebenso inkonsequent. So wurde der in Basel 2 enthaltene Output Floor von 80 Prozent nicht buchstabengetreu umgesetzt. Auch die Eigenkapitalhinterlegung von Mittelstandskrediten entsprach nicht den Forderungen des Baseler Ausschusses.

MBI/DJN/emv/11.12.2017

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