14.02.2018 - Kunstoffverarbeitende Industrie - Unternehmen sind trotz Rohstoffknappheit zuversichtlich

Die deutschen Kunststoffverarbeiter schauen optimistisch in die Zukunft. „Für 2018 gehen wir bei konservativer Schätzung von einem möglichen Umsatzplus von rund vier Prozent aus“, sagte Oliver Möllenstädt, Hauptgeschäftsführer Gesamtverband Kunststoffverarbeitende Industrie (GKV), bei der Jahrespressekonferenz in Frankfurt. Im vergangenen Jahr hat die Branche ihren Umsatz um 4,8 Prozent auf 63,7 Milliarden Euro gesteigert - so viel wie noch nie.

Mit inländischen Kunden erzielten die knapp 3.000 Betriebe der Branche Erlöse in Höhe von 40,1 Milliarden Euro (plus 4,7 Prozent gegenüber 2016). Der Auslandsumsatz wuchs um 4,9 Prozent auf 23,6 Milliarden Euro. Insgesamt wurden 2017 in Deutschland 14,7 Millionen Tonnen Kunststoffe verarbeitet, das entspricht einer Wachstumsrate von 4,6 Prozent. Die Zahl der Beschäftigten nahm um 1,9 Prozent auf 323.000 zu.

Betriebe können freie Stellen nicht besetzen

In einer Umfrage des Verbandes gaben 41 Prozent der Unternehmen an, zusätzliches Personal einstellen zu wollen, nur vier Prozent planen einen Stellenabbau. Allerdings berichteten drei Viertel der Befragten, dass sie Schwierigkeiten haben, freie Stellen zu besetzen. „Der Mangel zieht sich durch alle Bereiche - Auszubildende, Verfahrensmechaniker und Techniker sowie Kunststoffingenieure“, so Möllenstädt. „Wenn das so weitergeht, könnte irgendwann der Punkt erreicht sein, wo Aufträge mangels Personal nicht mehr bearbeitet werden können“, befürchtete der Hauptgeschäftsführer.

Sorgen bereitet vielen verarbeitenden Betrieben zudem die Rohstoffversorgung. Dies gelte aktuell insbesondere für die Hersteller technischer Kunststoffteile, wie Möllenstädt erklärte: „Die Materialpreissteigerungen konnten bisher überwiegend nicht an die Kunden weitergegeben werden.“ Die Hersteller sähen „Preisanpassungsbedarf“. Von einer „extremen Knappheit bei gleichzeitig enorm hoher Nachfrage der Rohstoffe“ sei die Polyurethan-Industrie gekennzeichnet. Dies betreffe Isocyanate, Polyole und Additive „auf breiter Front“. Teilweise wurden die Rohstoffe zugeteilt, berichtete Möllenstädt mit Blick auf das abgelaufene Jahr. „So etwas hatten die Marktteilnehmer seit Jahrzehnten nicht erlebt.“ Zu Beginn 2018 sei die Lage weiterhin sehr angespannt, manche Einkäufer hofften aber auf eine Erhöhung der Produktionskapazitäten im dritten Quartal.

Trotz Elektromobilität - weiter Kunststoffe im Auto

Dennoch zeige sich das Bild aus der Gesamtschau freundlich. Der Optimismus stützt sich auf das solide Wachstum wichtiger Abnehmerindustrien, wie GKV-Präsident Dirk Westerheide erläuterte. Von großer Bedeutung sei insbesondere die Automobilindustrie, der „erhebliche Umwälzungen“ bevorstünden. Westerheide nannte an erster Stelle den Ausbau der Elektromobilität. Hier stelle sich allerdings die Frage, ob neue Antriebskonzepte zu einem Rückgang der Nachfrage nach technischen Kunststoffteilen führen werden. „Ein Pkw mit klassischem Verbrennungsmotor besteht aus etwa 1.400 Komponenten und Einzelteilen, ein vollständig batteriegetriebenes Fahrzeug kommt mit einem Zehntel aus“, rechnete er vor. Laut Westerheide stellt sich die Lage aber differenzierter dar. Denn neben dem Stromer werde es auch in Zukunft viele Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor und hybriden Antrieben geben - und damit auch weiter Nachfrage nach technischen Kunststoffteilen.

Der zweite für die Branche wichtige Wirtschaftszweig ist die Bauwirtschaft, wie der GKV-Präsident erläuterte. Von dem wachsenden Wohnungsneubau haben die Kunststoffverarbeiter 2017 erheblich profitiert. „Von einer tatsächlichen Deckung des Bedarfs von 400.000 neuen Wohnungen ist der Bau aber noch extrem weit entfernt“, goss Westerheide jedoch Wasser in den Wein. Auch die energetische Sanierung von Bestandswohnungen hinke den Möglichkeiten deutlich hinterher. Bund und Länder seien gefordert, zusätzliche Anreize für Investitionen zu schaffen - sonst könne Deutschland seine ambitionierten Klimaschutzziele nicht erreichen.

Mark Krieger

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