02.12.2019 - Deutscher Warmbreitbandmarkt: Noch keine Bodenbildung in Sicht

Ende November waren die Preisverhandlungen am deutschen Warmbreitbandmarkt vielfach noch nicht abgeschlossen. Die befragten Einkäufer gehen sowohl auf Quartals- als auch auf Halbjahressicht von nochmals sinkenden Preisen aus. "Eine Bodenbildung ist immer noch nicht in Sicht", sagte ein Einkäufer. Vereinzelt ist es aber bereits zu Abschlüssen gekommen. "Noch sind die Jungs willig, deshalb habe ich zugeschlagen und konnte auf das Halbjahr gesehen einen deutlichen Nachlass heraushandeln", berichtete ein Einkaufsleiter. Die Stimmung auf der Leitmesse Blechexpo in Stuttgart wird als "insgesamt gar nicht so schlecht" beschrieben. Die Stahlwerke hätten bei ihren Kunden teils sogar um Verständnis für die momentan schwierige Lage geworben.

Trotz der weiterhin großen konjunkturellen Unsicherheit: Viele Einkäufer verspüren keinen Druck, schnell zu Abschlüssen zu kommen. Die Materialversorgung ist weiter exzellent und die Lieferzeiten sind kurz. Obwohl die europäischen Werke ihre Kapazitäten heruntergefahren haben, ist am Markt keine Verknappung in Sicht. Importmaterial spielt am deutschen Markt weiterhin keine Rolle, da ausreichend preislich interessantes Material auf dem Heimatmarkt vorhanden ist.

Insbesondere die Verhandlungen zwischen den "Automobilisten" und den Stahlwerken werden mit harten Bandagen geführt. "Die Autoleute stehen unter großem Spardruck", betonte ein Einkäufer. Die Rede ist von Forderungen nach einem Nachlass in Höhe von 100 Euro pro Tonne auf Jahressicht. Dies könnten jedoch die Werke nicht akzeptieren. Vor Weihnachten sollte aber alles "unter Dach und Fach" sein.

Ilva ist die Unbekannte in der Gleichung

Die große Unbekannte in der Gleichung ist die Situation um das Stahlwerk Ilva in Süditalien. Arcelormittal scheint entschlossen, von dem Kauf des "Problemwerkes" zurückzutreten und hat bereits detaillierte Planungen vorgelegt, um sämtliche Hochöfen bis Januar stillzulegen. Allerdings ringt die italienische Regierung wohl hinter den Kulissen noch um einen Kompromiss. "Sollte Ilva tatsächlich dichtgemacht werden, dürfte das mittelfristig doch Auswirkungen auf die Versorgungslage am europäischen Flachstahlmarkt haben", merkte ein Einkaufsleiter an. Kombiniert mit den bereits vollzogenen Kapazitätskürzungen kämen "erhebliche Mengen" zusammen.

Ein weiterer Unsicherheitsfaktor ist der Lagerzyklus: Da viele Marktteilnehmer in den vergangenen Monaten mit weiter sinkenden Preisen rechneten, hat man meist nur Mengen für den unmittelbaren Bedarf geordert. "Irgendwann müssen die Leute nachbestellen", sagte ein Einkäufer. Andere geben jedoch zu bedenken, dass die Zeiten lange vorbei sind, in denen man sich "Riesenmengen" aufs Lager legte. Viele Einkäufer fahren weiterhin "auf Sicht".

Einen plötzlichen Nachfrageanstieg erwartet man in den kommenden Wochen aber nicht. Somit dürfte der Verhandlungsspielraum der Werke begrenzt bleiben. In letzter Zeit mehren sich indessen die Zeichen, dass es im ersten Halbjahr 2020 zu einer gewissen konjunkturellen Erholung kommen könnte. Mit einem "Riesenschub rechnet man indessen nicht. Vor diesem Hintergrund glaubt man nicht an "böse Überraschungen", wenn man im Januar aus den Weihnachtsferien zurückkommt.

Eva-Maria Vochazer

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