11.09.2019 - Britische Handelskammer warnt vor erheblichen Unsicherheiten durch Brexit

Aus Sicht der Britischen Handelskammer stellt der ungeklärte Brexit die Wirtschaft vor große Herausforderungen. Es gebe angesichts der Zwangsschließung des britischen Parlaments und der drohenden Neuwahlen "weiterhin erhebliche Unsicherheiten" für die Unternehmen, sagte Michael Schmidt, Präsident der British Chamber of Commerce in Germany (BCCG) in Berlin. Die unklare Situation sei nicht gut für die Firmen, "weil sich Investitions- und Anschaffungsentscheidungen verzögern, weil man schlicht nicht weiß, wie geht es weiter", so Schmidt. Weder das am Montag in Kraft getretene Gesetz gegen den No-Deal, das eine erneute Brexit-Verschiebung fordert, noch Neuwahlen würden das Problem lösen. "Da wäre ein neues Referendum zweifellos besser."



Die Britische Handelskammer, die in diesem Jahr ihr 100. Gründungsjahr feiert, warnt etwa vor rechtlichen Unsicherheiten. Großbritannien müsse nach einem Austritt aus der Europäischen Union rund 22.000 Gesetze anpassen - und suche gleichzeitig nach neuen Handelsabkommen. Für Unternehmen gebe es besonders beim Arbeits- und Datenschutz viel zu erneuern. Operativ sind Umstellungen der Lieferketten und IT-Systeme zu erwarten, ergänzte BCCG-Verwaltungsrat Andreas Glunz. Die notwendige Suche nach neuen Kooperationen und Zulieferern verursache zusätzliche Kosten.



Laut einer Umfrage der Handelskammer ist circa die Hälfte der deutschen Unternehmen bislang nicht auf einen Brexit eingestellt. Dies werde gestützt durch Umfragen in Großbritannien, wonach 41 Prozent aller britischen Unternehmen nicht vorbereitet seien auf einen Brexit. Dies sei aber "nur die Spitze des Eisbergs", sagte Glunz. "Wir sehen, dass der Handel zwischen Deutschland und Großbritannien deutlich eingebrochen ist."



Angesichts der Klimaschutz-Kosten sei Brexit "ein Fliegenschiss"



Den deutschen Unternehmen empfiehlt die Britische Handelskammer, stärker auf strategische Partnerschaften zu setzen. Sie sollten Kooperationen mit britischen Unternehmen eingehen, gut ausgebildete Arbeitskräfte auf dem dortigen Arbeitsmarkt für eigene Aktivitäten einbinden sowie Märkte in Afrika oder Indien in den Blick nehmen. Das Vereinigte Königreich habe 60 Milliarden Dollar in Afrika investiert, Deutschland aber nur ein Sechstel davon, so Glunz.



BCCG-Vorstand Frank Scheidig mahnte, dass beide Ökonomien stärker den Klimaschutz in den Blick nehmen sollten. Der Planet stehe vor ökologischen Herausforderungen, "die den Brexit weitgehend unbedeutend machen werden", so Scheiding. Er sei "ein Fliegenschiss dagegen". Klimaschutz-Investitionen seien auch eine Aufgabe für die Finanzplätze in beiden Ländern. Die Bank of England, die Bundesbank und auch junge Fintechs müssten stärker helfen, die Refinanzierung der gesamten Wirtschaft zu ermöglichen. Im vergangenen Jahr seien knapp 200 Milliarden US-Dollar an "Green Bonds" emittiert worden. In diesem Jahr werde man vielleicht 300 Milliarden Dollar erreichen. "Wir brauchen aber über 10 Billionen pro Jahr, um die Klimaziele zu erreichen", sagte der BCCG-Vorstand. Dies sei aber auch ein Potenzial für die deutsche und britische Volkswirtschaft.

MBI/DJN/crb/11.9.2019

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