11.02.2019 - Studie der Geflügelwirtschaft: "Fleischverzicht in Deutschland rettet keinen Regenwald"

Inwieweit haben das Ernährungsverhalten der Deutschen und nationale Verschärfungen der Tierschutz- und Umweltstandards positive Auswirkungen auf Wirtschaft, Umwelt und Welternährung im globalen Kontext? Eine neue Studie des Instituts für Agribusiness der Universität Gießen kommt im Kern zu folgendem Ergebnis: "Eine rein pflanzliche Ernährung kann mit Blick auf Umwelt, Klima und Welternährung nicht halten, was Kritiker der Nutztierhaltung versprechen", sagt Prof. P. Michael Schmitz, Agrarökonom und Autor der Studie, laut einer Mitteilung des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG). "Ein Fleischverzicht in Deutschland rettet keinen Regenwald."

Für nationale Alleingänge beziffert die Studie laut ZDG erheblich negative ökonomische Auswirkungen: So hätte ein Fleischverzicht von 50 Prozent Wohlfahrtsverluste von 7,8 Milliarden Euro zur Folge. "Fleischverzicht ist ein ungeeignetes Mittel der Politik. Auf eine staatliche Konsum- und Produktionslenkung sollte verzichtet werden", sagte Schmitz mit Blick auf Forderungen nach "Veggie-Days". Die Studie wurde auf Anregung der Alhard von Burgsdorff-Stiftung zur Förderung wissenschaftlicher Projekte im Geflügelbereich umgesetzt. Stiftungsvorsitzender ist der ZDG-Präsident.

Die Studie untersucht demnach die Kosten und Nutzen einer rein pflanzlichen Ernährung im globalen Kontext mit dem Ziel, Antworten darauf zu finden, wie Politik auf Problembereiche mit wirksamen und effizienten Maßnahmen reagieren sollte. Zu den untersuchten Problemfeldern zählten die Unterernährung in armen Ländern, die Klimabelastung, der Land- und Wasserverbrauch sowie die Nährstoffverluste der tierischen Produktion.

Im Vordergrund stehen laut ZDG drei von den Kritikern der Nutztierproduktion erhobene Forderungen: ein Fleischverzicht, die Verschärfung tierschutzbezogener Standards und ein Importverbot für Sojafuttermittel. Methodisch hätten sich die Wissenschaftler der Universität Gießen dabei neben einer umfangreichen Literaturrecherche auf ein partielles Sektor-Gleichgewichtsmodell und ein generelles volkswirtschaftliches Gleichgewichtsmodell gestützt.

Die Studie kommt den weiteren Angaben zufolge zu dem Ergebnis, dass Fleischverzicht, Kostenanstieg und Sojaimportverbot zu Milliardenverlusten für die Erzeuger und die Volkswirtschaft insgesamt führen. Zugespitzt gelte dies, wenn Deutschland Maßnahmen im nationalen Alleingang und nicht EU-einheitlich umsetze. Mit der Politik geht Schmitz dabei hart ins Gericht: "Die bisher verfolgten Politikkonzepte schwächen die Wettbewerbsfähigkeit der Nutztierbranche. Marktanteile und Arbeitsplätze in der Agrarwirtschaft Deutschlands drohen verloren zu gehen, ohne einen wirksamen Beitrag zu Umwelt-, Klima- und Tierschutz bzw. zur Hungerbekämpfung leisten zu können."

Die vollständige Studie steht unter http://www.zdg-online.de zum Download zur Verfügung.

MBI/12/sru/ste/11.2.2019

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