13.03.2018 - Kampf gegen Doppelstandards und Betrug: EU-Wissenszentrum für Lebensmittelqualität eröffnet

Expertinnen und Experten aus der EU sollen wissenschaftliche Erkenntnisse zu Lebensmittelbetrug und unerlaubter unterschiedlicher Qualität von in gleicher Aufmachung verkauften Lebensmitteln zusammentragen. Das soll es den zuständigen Behörden erleichtern, gegen solche Praktiken vorzugehen. Plattform für die Zusammenarbeit der Experten ist ein am Dienstag eröffnetes EU-Wissenszentrum für Lebensmittelqualität. Es wird Teil der Gemeinsamen Forschungsstelle der EU-Kommission.

Nachdem sich Polen, Ungarn, Tschechien und die Slowakei seit Jahren darüber beschweren, dass in ihren Ländern minderwertige Nutella oder Fleischkonserven verkauft würden, hat EU- Verbraucherschutzkommissarin Vera Jourova im September Leitlinien vorgelegt, die es nationalen Behörden erleichtern sollen, Doppelstandards bei der Lebensmittelherstellung aufzudecken. Dies ist nach der EU-Lebensmittelverordnung sowie der Richtlinie über unlautere Geschäftspraktiken verboten. Hersteller und Markenverbände hätten zudem zugesagt, einen freiwilligen Verhaltenskodex auszuarbeiten, hieß es damals. Einheitliche Testmethoden soll die Gemeinsame Forschungsstelle entwickeln.

Das neue Wissenszentrum soll unter anderem die Marktüberwachung koordinieren, etwa in Bezug auf die Zusammensetzung und die sensorischen Eigenschaften von Lebensmitteln, die mit derselben Verpackung und unter demselben Markennahmen auf verschiedenen Märkten in der EU angeboten werden. Aufgabe ist auch das Zusammentragen von Informationen, etwa aus Datenbanken, in denen die Zusammensetzung bestimmter hochwertiger Agrar- und Lebensmittelerzeugnisse wie Wein oder Olivenöl erfasst ist. Seine Erkenntnisse soll das Zentrum über Newsletter, interaktive Karten, Datenbanken und regelmäßige Berichte veröffentlichen. Außerdem soll es ein Frühwarnsystem zu Lebensmittelbetrug betreiben. Zuletzt machten in der EU Betrugsfälle mit Olivenöl, Wein, Honig, Fisch, Milchprodukten, Fleisch und Geflügel Schlagzeilen.

"Das Zentrum wird helfen, die Integrität der Lebensmittelkette in der EU zu schützen und die Qualität von Lebensmittelerzeugnissen zu gewährleisten", sagte der für die Gemeinsame Forschungsstelle zuständige EU-Bildungskommissar Tibor Navracsics. Die SPD-Europaabgeordnete Susanne Melior begrüßte die Einrichtung des Zentrums. "Das Zweiklassen-Marketing, das manche Hersteller betreiben, gehört abgestraft. Auch Betrug bei Lebensmitteln wie im Falle von nicht-deklariertem Pferdefleisch in der vermeintlichen Rinder-Lasagne oder gefälschtem Honig dürfen wir nicht hinnehmen, sondern müssen wir entschieden bekämpfen", sagte sie.

MBI/fra/ssc/13.3.2018

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