17.01.2019 - GEFA: Agrarausfuhren für 2018 unter Vorjahresniveau erwartet

Die Ausfuhren deutscher Agrarprodukte und Lebensmittel sowie Landtechnik prognostiziert die German Export Association for Food and Agriproducts (GEFA) für 2018 auf 77,2 Milliarden Euro, was einem Rückgang von 1,4 Prozent entsprechen würde. Zwar konnte die Branche ihre Position als drittstärkste Exportnation trotz schwieriger Wettbewerbsbedingungen halten. Dennoch zeige sich deutlich, wie wichtig faire Handelsbedingungen sind, teilte die GEFA weiter mit. Das aktuelle Freihandelsabkommen mit Japan sei ein positives Beispiel für künftige Handelserleichterungen, werde aber bei weitem nicht ausreichen, um die deutlichen Rückgänge in Asien zu kompensieren.

Die Ausfuhren der Exporteure für den Zeitraum von Januar bis Oktober 2018 (diese und weitere Angaben ohne Landtechnik) erreichten demnach 59,1 Mrd EUR und liegen damit aktuell 3 Prozent unter dem Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig reduzierten sich die mengenmäßigen Ausfuhren um 4,4 Prozent auf 50,1 Millionen Tonnen. Ursachen seien vor allem Rückgänge der deutschen Ausfuhren nach Asien und Afrika, darunter Fleisch und Fleischwaren (minus 6,5 Prozent), Molkereiprodukte (minus 4,1 Prozent), Getreide (Weizen minus 35,6 Prozent, Gerste minus 17,1 Prozent) sowie Zuchttiere (minus 9,6 Prozent). Die wertmäßigen Ausfuhren in die EU liegen im Zeitraum von Januar bis Oktober 2018 laut GEFA aktuell 2,4 Prozent unter dem Vorjahreswert. Die Exporte in die Drittländer sind deutlicher gesunken (minus 6,3 Prozent).

Beachtlich seien die, trotz weiterer Sperrung ganzer Produktbereiche, erneut spürbar steigenden Ausfuhren nach Russland. Trotz der seit März 2013 bestehenden und im August 2014 merklich verschärften russischen Einschränkungen der Einfuhren deutscher Produkte sowie deren mehrfachen Verlängerungen erreichten die Exporte aus Deutschland in diese Richtung einen Anstieg von 6,2 Prozent auf 829 Mio EUR. Das sei umso beachtlicher, als der Wechselkurs des Euro zum Rubel im Laufe des Jahres um etwa 13,4 Prozent gestiegen ist.

Gespannt blicken die deutschen Exporteure auf die Entwicklungen beim Brexit. Großbritannien ist für die deutsche Agrar- und Ernährungswirtschaft aktuell der fünftstärkste Exportzielmarkt. In den ersten zehn Monaten 2018 exportierten die deutschen Hersteller den weiteren Angaben nach Waren im Wert von 3,8 Mrd EUR (minus 2,4 Prozent) auf die Insel, im Gegenzug wurden Güter im Wert von 1,2 Mrd EUR (minus 2,0 Prozent) importiert. Vor diesem Hintergrund sei bei bis Ende März dieses Jahres weiter unklaren Handelsverhältnissen ein deutlicher Rückgang des beiderseitigen Handels zu befürchten.

In der Rangliste britischer Verbraucher ganz oben stehen Süßwaren aus Deutschland (624 Mio EUR, Januar bis Oktober 2018) sowie Fleisch und Wurstwaren (573 Mio EUR), Backwaren (489 Mio EUR) und Molkereiprodukte (450 Mio EUR). "Die Exporteure auf beiden Seiten des Ärmelkanals auch nach der Entscheidung des britischen Parlaments weiter im Unklaren zu lassen ist das Werk einiger unverantwortlicher Politiker auf der Insel", kommentierte Willi Meier, Sprecher der GEFA und Prokurist des Lübecker Traditionsunternehmens Niederegger.

Mit Blick auf die Rückgänge in wichtigen Exportzielmärkten blickten die Exportorganisationen der GEFA gespannt auf die dringend erforderlichen politischen Aktivitäten. "Die weitere Öffnung von Märkten und der Abbau bestehender Restriktionen im internationalen Handel kommen seit Jahren viel zu zögerlich voran", sagte Bernd Wirtz, stellvertretender GEFA-Sprecher und Exportleiter der Vion GmbH. Durch das Auftreten von verschiedenen Erkrankungen (Blauzungen-Virus, Schmallenberg-Virus, Geflügelpest, Afrikanische Schweinepest) kam und kommt es z.B. weiter zu drastischen Einbußen im Export von Zuchttieren. Die dadurch entstandenen Handelshemmnisse (Anpassung von Veterinärzertifikaten, fachliche Informationen von Exportländern) würden aber nur stark verzögert abgebaut. "Die Bearbeitung dieser Anliegen muss weiter beschleunigt werden", forderte Wirtz.

MBI/12/sru/ste/17.1.2019

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